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Leserbrief

Pornografie und Gewalt abrufbar auf digitalem «Lehrmittel» der Primarschule?

Arthur Bras, Matschilsstrasse, Triesen | 17. Mai 2021

Nachdem durch die Datenschutzbehörde bereits gravierende Mängel zum Nachteil der Schulkinder bezüglich auch durch die PS Ruggell genutzten Schul-EDV festgestellt wurden, kam ein trauriges Kapitel hinzu: Die seit 2020 durch die PSR als «Lehrmittel» mit nach Hause gegebenen Geräte verfügen über keinerlei Jugendschutzfilter für Zuhause. Bei einem Treffen mit Eltern wurde festgestellt, dass 7 bis 10-Jährige von zu Hause aus, ungefiltert auf sämtliche Inhalte des Internets den Zugriff haben. Es herrschte schwere Betroffenheit.
Reaktion Schulamt: Grundsätzlich sei die PSR für dieses «Projekt» verantwortlich. Da die Kinder bereits im Kindergarten «Medienkompetenz» erlernen würden, sei das Fehlen eines Jugendschutzfilters für Zuhause kein Problem, da sie wissen, dass sie keine nicht altersgemässen Seiten besuchen dürfen. Ich würde zu viel Negatives in das Handeln der Kinder hineininterpretieren. Wie bitte? Wer stellt sicher und schützt unsere Kinder wenn sie im Internet nach kindlichen Begriffen wie «Nackibutz» usw. suchen, dass sie auf keine pornografische Seite gelangen? Sich dadurch nicht gezielt in die Hände pädophiler Täter begeben? Oder sie Seiten aufstöbern mit unerträglichen Gewaltszenen? Niemand. Am allerwenigsten offenbar diejenigen mit Bildungsauftrag für unsere Jüngsten, welche das Lehrmittel mit nach Hause geben. Auf meine Nachfrage, warum im Gegensatz dazu die Geräte des Gymnasiums über einen solchen Jugendschutzfilter verfügen, wurde folgend geantwortet: Im Interesse meines Kindes hoffe man, dass ich nicht versucht hätte, mit Jugendverbot belegte Seiten über das Schulgerät aufzurufen, da sonst mein Kind durch das Auslösen «roter Lampen» mit Sanktionen rechnen muss. O. k. Ausgeübter Druck des Schulamtes ist offenbar kein Exklusivrecht für Lehrpersonen.
Zusammengefasst kann man zur behördlichen Attitude bezüglich Bildung folgendes festhalten:
1. Der Datenschutz wurde nach aussen immer hoch priorisiert, aber bis zur Aufforderung durch die Datenschutzstelle komplett ignoriert.
2. Die Sicherstellung, dass eingesetzte Lehrmittel frei von nicht kindergerechten Inhalten sind, ist offenbar nicht mehr notwendig, der Jugendschutz obsolet.
3. Druck wird auch auf Eltern ausgeübt – offenbar als gängiges Arbeitsmittel des Schulamtes (Lehrerdienstgesetz?).
Bleibt nun noch zu hoffen, dass die neuen Geräte weiser gehandhabt werden.
Mit freundlichen Grüssen – ein sorgender Vater, der als Aufwiegler und Verhinderer abgetan wird.

Arthur Bras,
Matschilsstrasse, Triesen

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