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Leserbrief

Hochsprungmeisterschaft – Förster gegen Jäger

Felix Näscher, Kirchgasse 11, Vaduz | 15. Mai 2021

«Ein zentrales Projekt (…) stellt die Einführung einer staatlichen Wildhut dar. Das bedingt die Abänderung des Jagdgesetzes. Es ist geplant, den Bericht und Antrag noch vor der Sommerpause zu verabschieden»: Das die Antwort auf eine Kleine Anfrage im Landtag. Dumm nur, dass «das» das wahre Problem nicht löst: Mit dem Jagdgesetz wird der Hebel an einem Ort angesetzt, bei dem nicht der geringste Handlungsbedarf besteht. Die Jäger machen auf ihre Kosten in Eigenregie seit Jahren genau das, was gemäss dem zeitgemässen Jagdgesetz getan werden muss – auch das, was die Regierung mit dem Abschussplan vorschreibt; an der Hegeschau legen sie zudem konkrete Rechenschaft über ihr Jagdgebaren ab. Die Förster dagegen schliddern auf dem Holzweg dahin – planlos, führungslos, ohne erkennbaren sowie überprüfbaren Leistungsauftrag und ohne Erfolgskontrolle. Der zentralen Bestimmung des zeitgemässen Waldgesetzes – der Nachhaltigkeit – wird zuwidergehandelt: Regierung, Amt, Waldbesitzer – sie stellen sich blind und taub.
Stellen wir uns einen Hochsprungwettbewerb vor, bei dem – bildlich gesprochen – die Gesetze den einen, die zugehörigen Verordnungen den anderen Ständer bilden; für die Jäger bildet der verordnete Abschussplan die Querlatte – den Massstab für die erforderliche Sprunghöhe: Jahr für Jahr schaffen sie selbst ambitiöse Sprunghöhen.
Und die Förster? Jeder wie er in seinem Revier gerade will, wackelt an den Ständern und hüpft – mangels verbindlicher Bewirtschaftungsziele – ohne aufgelegte Querlatte, damit auch ohne Massstab für die erforderliche Sprunghöhe, bestenfalls zwischen den Ständern durch; aber was das Verrückte ist – die Förster werden, einer verfänglichen Desinformationsstrategie geschuldet, quasi als Sieger des Wettbewerbs erklärt: Nicht die Einhaltung des Waldgesetzes wird durchgesetzt, sondern ein Jagdgesetz durchgezwängt, das der Sache nicht nützt und so unnötig ist wie ein Blinddarm; dringendst nötig wäre dagegen eine naturnahe und nachhaltige Waldwirtschaft.

Felix Näscher, Kirchgasse 11, Vaduz

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