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Leserbrief

Von den Zwängen

Mathias Ospelt, Mareestrasse 10, Vaduz | 12. Mai 2021

Am vergangenen Freitagnachmittag löste ein Bauarbeiter, der in unserem Garten beschäftigt war, einen Kurzschluss aus. Leider betraf dieser auch den Verstärker für sämtliche digitale Einrichtungen im Hausinnern. Da der halb-staatliche Dienstleister übers Wochenende keinen Notfall-Picket-Dienst anbietet und – wie mir ein Mitarbeiter dieses Betriebes am Handy erklärte – freitags ab 16 Uhr ohnehin kein Techniker mehr notfallmässig ausrückt, verbrachten wir die Zeit vom späteren Freitagnachmittag bis Montagvormittag ohne Internet, ohne Fernseher, ohne DVD, ohne Festnetz und mit nur sehr eingeschränkter Möglichkeit, Radio zu hören. An sich durchaus eine Wohltat, nur sollte sie auf Freiwilligkeit beruhen. Und das liess mich nachdenken. Ich fragte mich, ob das Zusammenfügen aller digitalen Haustechnik in einem einzigen, offensichtlich leicht verwundbaren Knotenpunkt wirklich meinem Wunsch entspricht. Zumal eine Störung desselben unter Umständen nicht einmal innerhalb von 48 Stunden behoben werden kann! Und wird sich diese Situation mit dem Anschluss ans Glasfasernetz verbessern oder verschlimmern? Vermutlich letzteres, wenn ich nostalgisch verklärt auf mein Radiogerät blicke. Wer hat überhaupt bestimmt, dass ganz Liechtenstein mit Glasfaser zwangsbeglückt wird? Gab es dazu eine Abstimmung? Ein Referendum? Eine Leserumfrage? Gab es Leserbriefe? Apropos Leserbriefe: Aktuell ist davon die Rede, dass es in Liechtenstein einen Impfzwang gibt beziehungsweise geben wird. Faktum ist: Diesen Zwang gibt es nicht und wird es auch nicht geben. Es gibt aber andere Zwänge, denen wir uns unterstellen müssen. Interessanterweise werden diese Zwänge von all jenen mutigen Heldinnen und Helden, die sich im hehren Krieg gegen Unterdrückung, Gleichmacherei und galaktischer Verschwörung sehen, nie erwähnt: Die Zwänge, eBanking einzurichten, ein Smartphone zu besitzen, eine Kreditkarte zu haben oder wie erwähnt Glasfaser im Haushalt einzuführen. Der Grossteil dieser Zwänge führt letztlich dazu, uns über den privilegierten Weg des Wohlstands zu gläsernen Menschen zu machen. Und zwar auf ewig. Ich habe mich übers Wochenende gefragt, weshalb sich all diese selbstlosen Kämpferinnen und Kämpfer für die gerechte Ich-Sache nur auf Coronamassnahmen und Impfungen einschiessen. Wären sie wirklich besorgt um unser aller Seelenheil, müssten sie doch die grösseren Zusammenhänge erkennen. Das tun sie aber nicht. Was mich letztlich zu der Frage führt: Worum geht es ihnen wirklich? Das wäre doch Stoff für eine Verschwörungstheorie!

Mathias Ospelt, Mareestrasse 10, Vaduz

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