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Leserbrief

Tod den Gämsen – auch ein Tierschutzfall?

Felix Näscher, Kirchstrasse 11, Vaduz | 10. Mai 2021

Im Wald-Wild-Gutachten 1989 wurde der für Gämsen geeignete Lebensraum auf 8600 ha geschätzt; der damalige Bestand betrug rund 1000 Stück. Seitdem wurde der Bestand durch die Jagd auf etwa 600 Stück reduziert – eine Zahl, welche damals – übrigens 2002 in einem weiteren Gutachten bestätigt – in integraler Sicht als nachhaltig tragbar erachtet wird. Wildökologischen Kriterien spottende Vorstellungen betreffend die zukünftige Bewirtschaftung und Bejagung der Gämsen seitens des Amtes für Umwelt sorgten 2020 für etlichen Unmut: Einer privaten Initiative zur Verwirklichung einer erneuten, in umliegenden Ländern schon gleichartig durchgeführten Studie schloss sich das Amt für Umwelt 2020 an: Es unterstützte diese finanziell und lieferte alle notwendigen Daten. Die neue Studie liefert drei, für einen ökologisch nachhaltigen Umgang mit der Gämse massgebliche Fakten: Der für Gämsen in Liechtenstein geeignete Lebensraum umfasst im Sommer 8680 ha, im Winter 8454 ha; der Gamswildbestand – heute etwa 600 Stück – wird derzeit durch die Jagd unter der potenziell möglichen Lebensraumkapazität gehalten; insgesamt kann im Land mit einem durchschnittlichen Zuwachs von etwa 17 Prozent vom Gesamtbestand gerechnet werden – also gute 100 Tiere. Und dennoch – der Abschussplan für das angelaufene Jagdjahr schreibt 142 Stück vor – der Abschussantrag des Amtes für Umwelt forderte ursprünglich sogar 166 Stück; dabei bewirkt schon ein Abschuss von gut 100 Stück eine weitere Gamsreduktion – und Luchs und Wolf jagen auch noch. Als ob es die mitverantwortete Studie nicht gäbe – das Amt für Umwelt fährt weiter einen Kurs, der die Gämse in ihren ausgeprägten Sozialstrukturen schädigt: «Wer darauf keine Rücksicht nimmt, der kann die Schadenssituation im Wald sogar noch verschärfen.» Ist dies listige Strategie zwecks Ablenkung von der illegalen Misswirtschaft im Wald, ist dies penetrant zelebrierte Süffisanz oder bloss mangelnder wald-wildökologischer Sachverstand? unerträglich so oder so.

Felix Näscher,
Kirchstrasse 11, Vaduz

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