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Leserbrief

Johann «der Gute» sagte Nein

Adolf Ritter, Töbeleweg 9, Mauren | 8. Mai 2021

Bereits 1872 und 1919 wedelten windige Geschäftemacher mit der einträglichen Spielbanken-Idee und der Verlockung auf nie versiegenden Wohlstand. Doch beide Male hatte Fürst Johann II. kein offenes Ohr dafür; er fand die Geschäftskultur des Sichbedienens bzw. die Bereicherung zum Schaden anderer für moralisch «verderblich». Das Nein ist deshalb auch bemerkenswert, weil die Menschen damals in Armut lebten, das Land hoffnungslos verschuldet war und jeder Zustupf Erleichterung gebracht hätte.

Johann II. ist bis heute dem liechtensteinischen Volk als «der Gute» in Erinnerung geblieben. Er modernisierte das Land und förderte die Wissenschaften. Er machte mit seiner Verfassungsreform den Weg frei für die politische Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und half dem Land finanziell wieder auf die Beine. Johann II. war ein sozialer, weitsichtiger und weiser Mann. Er kannte die moralische Grenze und den schmalen Grat zwischen gut und schlecht. Er handelte nach der Erkenntnis, dass Handlungen nach den mit ihnen verbundenen Folgen bewertet werden. Er hatte ein Gespür dafür, was das Zusammenleben und den sozialen Frieden gefährdet und wie schnell Vertrauen verloren gehen kann. Vor allem aber verstand er die erste Lektion, die uns Geschichte und Politik lehren, nämlich, dass die Ursache von Problemen zumeist auf den oberen Ebenen ihren Ursprung hat. Oder volkstümlich ausgedrückt: Er wusste, der Fisch beginnt am Kopf zu stinken!

Adolf Ritter,
Töbeleweg 9, Mauren

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