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Leserbrief

Rekordverdächtige Postulatsbeantwortung im Landtag

Fraktion der Freien Liste | 8. Mai 2021

Im November 2012 überwies der Landtag das Postulat zur verbesserten Eingliederung von Menschen mit Behinderung mit 20 Stimmen an die Regierung. Der Auftrag lautete: «Die Regierung wird eingeladen, umfassend zu überprüfen, wie die berufliche Integration von Menschen mit Behinderung in Liechtenstein verbessert werden kann.» Nach mehr als acht (!) Jahren legte nun die Regierung dem Landtag die Postulatsbeantwortung zur Behandlung vor. Trotz rekordverdächtiger Verspätung hat die Thematik nichts an ihrer Aktualität verloren: Für Menschen mit einer Beeinträchtigung ist es auch 2021 schwer, einen Arbeitsplatz am ersten oder freien Arbeitsmarkt zu erlangen oder zu behalten. Als Grund dafür werden die Leistungsschwankungen dieser Personen genannt, aber auch Vorurteile und Berührungsängste auf Seite der Unternehmen, die den hohen Betreuungsaufwand fürchten. Die Postulatsbeantwortung bestätigt dies und gibt einen Überblick über die verschiedenen Unterstützungsmassnahmen, welche vor allem von der Invalidenversicherung, dem Heilpädagogischen Zentrum und dem Verein für Betreutes Wohnen angeboten werden. Tatsächliche konkrete Zahlen zum Umfang der Problematik konnte der Bericht aber nicht liefern, weil solche in Liechtenstein fehlen. Die verschiedenen Voten der Abgeordneten aller Parteien orteten denn auch übereinstimmend einen hohen Handlungsbedarf. Die in der Beantwortung vorgegebene Lösung, die vorhandenen Angebote einfach besser zu koordinieren, war ihnen denn auch zu wenig konkret. Die Abgeordneten forderten vordringlich eine systematische statistische Erfassung des Ist-Zustands, um daraus mögliche weitere Massnahmen ableiten zu können. Ebenfalls gewünscht wurde eine zentrale Anlaufstelle, an die sich Betroffene und Arbeitgeber mit ihren Anliegen wenden können. Auch andere konkrete Vorschläge wurden geäussert, an Ideen fehlte es den Abgeordneten nicht. Nun kann man gespannt sein, was davon der neue Gesellschaftsminister in seine Überlegungen einbezieht. Jedenfalls versprach er, sich des Themas anzunehmen und die Abgeordneten in absehbarer Zeit wieder zu informieren. Hoffen wir, dass bis dahin nicht weitere acht Jahre vergehen.

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