Volksblatt Werbung
Leserbrief

Casinobremse

Franz Schädler, Rossbodastrasse 27, Triesenberg | 3. Mai 2021

Die Ankündigung der neuen Wirtschaftsministerin «Schrauben anziehen» sowie die Ankündigung einer Motion «Casino-Bremse durch die VU ist reine Augenwischerei, um die aufgebrachten Gemüter zu beruhigen. Bis eine allfällige Gesetzesänderung beschlossen und in Kraft tritt, können zwei bis drei Jahre vergehen. Auch eine moderate Erhöhung der Abgabesätze löst das Problem nicht. Bis das alles greift, sind bis zu zehn Casinos in Betrieb. Der Reputationsschaden ist längstens angerichtet. In renommierten Wirtschaftszeitungen («Süddeutsche Zeitung», «Bund», «Basler Zeitung», «Tages-Anzeiger», «Landbote» etc.) sind seit Wochen nicht gerade schmeichelhafte Berichte zur Casinomisere und von «Liechtenstein-Las Vegas» zu lesen. Wieso werden solche für unser Land schädigende Berichte in unseren Parteiblättern verheimlicht? Versucht man damit unsere verantwortlichen Politiker zu schützen ? Sollten seitens der Politiker ernsthafte Absichten bestehen, den Casinoboom zu unterbrechen, müsste unverzüglich ein Bewilligungsstopp erfolgen, damit dieses Übel nicht weiter überhandnimmt. Schon 2019 wurde seitens der VU ein Moratorium diskutiert und ein Postulat eingereicht. Die Freie Liste hat sich ebenfalls schon 2019 für die Erhöhung der Geldspielabgabe eingesetzt. Passiert ist deswegen die letzten zwei Jahre absolut nichts. In der Fahrschule haben wir gelernt, vorausschauend zu fahren, damit rechtzeitig gebremst werden kann. Die grosse Mehrheit der Politiker der Koalition (VU und FBP) haben das anscheinend nicht kapiert und werden, wenn das so weitergeht, trotz aller Warnungen den seriösen Ruf unseres Landes mit Vollgas an die Wand fahren. Die Väter und Unterstützer dieser unsäglichen «Epidemie» sitzen heute alle auf ihren sicheren Posten in Regierung, Wirtschaftskammer, Verwaltungsräten von Casinos oder Casino nahen Betrieben. Auf den Schultern des neu gewählten Landtages liegt nun die Hoffnung auf eine sofortige Änderung dieser unsäglichen Casinogeschichte. Sollte auch dieser Landtag nicht bereit oder unfähig sein, unverzüglich Änderungen zu erwirken, kann nur noch das Volk mit einer landesweiten Aktion (zum Beispiel eine Initiative) eingreifen. Vergangene Woche habe ich in einem historischen Vortrag über die 1920er-Jahre folgendes Zitat gehört: «So wie jetzt kann die Sache nicht mehr lange gehen.» Dieses Zitat hat auch noch 100 Jahre später seine Berechtigung.

Franz Schädler, Rossbodastrasse 27, Triesenberg

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung