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Leserbrief

Zur Digitalisierungsstrategie des Bildungsministeriums

Stefanie Leibfried, Grossfeld 29, Eschen | 30. April 2021

Man habe nichts verpasst bei der Digitalisierung im Bildungsbereich, erklärt Ministerin Hasler im «Volksblatt»-Interview vom Montag mehrfach. Tatsächlich wurde kaum etwas ausgelassen: Eklatante Mängel beim Datenschutz, geflissentliches Ignorieren des Jugendschutzes, weitgehende Missachtung der Informationspflicht den Erziehungsberechtigten gegenüber – so könnte man die lange Mängelliste zusammenfassen. Dass das «Zulassen» (!) von Diskussionen vor diesem Hintergrund als sportliche Disziplin gesehen wird, verwundert da nicht. Für betroffene Eltern übrigens ein extremer Ausdauersport, kann sich doch das Ringen um eine inhaltliche Stellungnahme der Behörden zu vorgetragenen Bedenken über Jahre hinziehen.
«Erfahrungen anderer Länder», auf die man sich bei der Digitalisierung stützen könnte, gibt es durchaus. In der Metastudie «Educational Technology: An Evidence-Based Review» wurden über 30 einschlägige Studien ausgewertet. Das Ergebnis kennen wir vom heimischen Wohnzimmer. Die Computernutzung steigt, die schulische Leistung nicht; bisweilen sinkt sie. Die Studie bestätigt noch eine weitere, uralte pädagogische Erkenntnis: Der Schlüssel zum Lernerfolg liegt in der Beziehung zwischen Lehrperson und Lernenden. Dass es dieser Beziehung abträglich ist, wenn auch der Präsenzunterricht nur noch darin besteht, dass auf YouTube-Erklärvideos verwiesen wird, liegt auf der Hand. Dass so mancher am liebsten das gesamte Projekt über Bord werfen würde, ebenfalls.
Eine Lösung wäre das nicht. Nicht umsonst wurde das Kommissariat Cyberkriminalität bei der Landespolizei geschaffen. Ziele des digitalen Schulunterrichts müssten sein, den Heranwachsenden die Möglichkeiten des Internets, aber auch seine Gefahren in einem geschützten Rahmen zu vermitteln. Eine Unterscheidung zu treffen zwischen sinnvollem, altersgemässem Einsatz und unnötigem Stromverbrauch. Kurz, eine Medienkompetenz vorzuleben, zu lehren und zu ermöglichen, die sich nicht in einer bedingungslosen Huldigung des Mediums erschöpft.

Stefanie Leibfried,
Grossfeld 29, Eschen

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