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Leserbrief

Patrik Schädlers Wahrnehmungsfilter

| 14. April 2021

Frau Maria Pinardi, langjährige Beraterin der Ministerin und Zeugin im Gerichtsverfahren, schilderte am zweiten Verhandlungstag, dass die Polizisten, die sie einvernommen hatten, schwer mit Aussagen umgehen konnten, die nicht in das Raster ihrer vorgefassten Erwartungen passten. Einen Wahrnehmungsfilter hat auch Patrik Schädler, Chefredaktor des «Liechtensteiner Vaterlands». Er schreibt zwar, dass Frau Pinardi sich als Kollateralschaden der Affäre sieht. Er erwähnt aber nicht, dass Frau Pinardi die ganze Geschichte als innerparteilichen Streit sieht, der nun am falschen Ort mit juristischen Spitzfindigkeiten ausgetragen wird. Er erwähnt nicht, dass Frau Pinardi vor Aurelia Frick andere Regierungsmitglieder, wie auch leitende Beamte und Richter beraten hat. Er erwähnt nicht, dass sie ihre Leistungen nach dem gleichen Schema, nämlich pauschal, abgerechnet ­habe und dafür nie gerügt worden sei, man habe ihre Arbeit im Gegenteil immer gelobt.
Auch die «Vaterland»-Journalistin Bettina Stahl-Frick erzählt im Vaterland vom 1. April «Sieben Geschichten», eine davon vom Mitarbeiter des Diplomatischen Dienstes, der aussagte, er habe von Frau Pinardi viel weniger Stunden Beratung bezogen als angegeben. Frau Stahl-Frick berichtet aber nichts über die Peinlichkeit, dass dieser Mitarbeiter des Diplomatischen Dienstes sich zwar auf die Kommastelle genau auf die Anzahl Beratungsstunden erinnern wollte, aber nicht an die Person, die ihm mitteilte, dass sein Name auf der geschwärzten Detailliste stand. Es findet sich auch kein Wort über den Kommentar von Frau ­Pinardi, dass Namen von Coachingkunden nicht aufgelistet werden, um eben diese Kunden vor Neugier zu schützen. Patrik Schädler berichtete nicht über die Aussage der Zeugin Maria Pinardi, dass in der Coaching-Branche pauschale Abrechnungen üblich sind und die Kunden den Titel der Abrechnung so wählen, wie er in ihren Kontenrahmen passt. Auch die Aussage, dass es branchenüblich sei, dass man ein Restbudget oder ein überzogenes Budget auf ein Folgejahr übertrage, findet keine Erwähnung. Wohl aber fühlt sich Patrik Schädler zuständig, das Gericht oder die Staatsanwaltschaft zu belehren, wie die Anklage gegen die ehemalige Ministerin noch erweitert werden könnte: Frau Pinardi habe das Frauenteam auf Staatskosten moderiert, womit wissentlich fremdes Vermögen missbraucht worden sein könnte.
Jagdszenen aus Liechtenstein. Die Landtagssitzung, in der der Ministerin das Vertrauen entzogen wurde, war in ihrem Ablauf tief beschämend. Die Berichterstattung des «­Vaterlands» ist es auch. Wenn Sie ordentlich informiert sein wollen, müssen Sie an der Verhandlung als Zuschauerin oder Zuschauer teilnehmen. Platz hatte es bisher genug.

Walter Kranz, Dipl.-Psych., St. Luzistrasse 12, Vaduz

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