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Leserbrief

«Waschen Sie die Hände …»

Georg Kieber, Binzastrasse 8, Mauren | 12. April 2021

Im Vaterland vom 6. April erschien ein Interview mit einer informierten und ausgewogen argumentierenden Pflegefachfrau. Die Interviewte wird nach den Quellen für ihre Argumente gefragt, und sie gibt diese an. Sie sagt auch, dass «enormer Druck» auf sie ausgeübt werde, weshalb sie das Interview nur anonym geben könne. So weit haben wir es gebracht. Ihre Aussagen werden einem «Faktencheck» unterzogen. Dieser wird anonym unter dem Deckmantel der «Ärztekammer» vorgenommen. Niemand fand sich offenbar bereit, persönlich Verantwortung zu übernehmen. Zu den verwendeten Quellen wird die «Ärztekammer» nicht gefragt. Das machte ihr manches einfacher. Es ist bemerkenswert, dass aus der Ärzteschaft lediglich der Kinderarzt René Kindli Alarm schlug und in einem offenen Brief an Politik und Behörden infolge der Zunahme von Depression, Angststörungen oder Verhaltensauffälligkeiten seiner jungen Patienten Lösungen einforderte. Wen erstaunt es, dass er weder vom Ministerium noch vom Schulamt eine Rückäusserung erhielt. Die Regierung führt, mit Ausnahme der Statistik aus dem Zählrahmen der Coronatests, keine Argumente an für ihre Massnahmen. Aber, sie unterstellt: Ihr seid eine kranke Gesellschaft; dies ergibt sich, indem sie mir die Beweislast überträgt, dass ich gesund bin. Die Einführung moderner Apartheid zwischen Geimpften und den anderen steht kurz bevor. Die Pflegefachfrau sprach von «Druck». Dieser betrifft nicht nur sie. Daran sind die Medien nicht unbeteiligt. Wer sich für die Nomination einer qualifizierten Ministerin einsetzt, ist «ein entrüsteter Verehrer», trete ich für den Erhalt eines Gasthauses ein, bin ich ein «Sozialromantiker», der sich um eine «Bruchbude» sorgt und eine «neuzeitliche Hippie-Kommune» anstrebt. Weil ich Verhältnismässigkeit und Sinn mancher Coronamassnahmen hinterfrage, bin ich von einem «Vaterland»-Redaktor nun als «Coronaskeptiker» identifiziert, den er mit «Coronaleugner» gleichsetzt, der «weder Kraft noch Anstrengung aufbringt und jede ­Argumentation, die er gelesen oder gehört hat, für bare Münze hält, ­solange sie sein Weltbild stützt». In diesen Coronazeiten sind unsere Redaktionen weitgehend PR-Agenturen der Regierung, zu oft ist journalistische Kompetenz durch die angeblich richtige Gesinnung ersetzt, die Lektüre der Zeitungen eignet sich gut für Masochisten. Auf der Pinnwand mancher Redaktoren dürfte stehen: «Waschen Sie die Hände, das Gehirn waschen wir ­Ihnen.»

Georg Kieber,
Binzastrasse 8, Mauren

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