Leserbrief

Die neue Seidenstrasse Peking- Vaduz ins Weltall

Erich Walser, Im Bartledura 8, Schaan | 9. April 2021

Seit Monaten werden wir mit Inseraten in unseren Landeszeitungen und im FL-Fernsehen bombardiert, die für ein bahnbrechendes Satellitenprojekt «Liechtenstein macht die Welt hyperschnell» werben. Im Satellitenkontrollzentrum Schaaner Riet werden strahlende Arbeitsplätze versprochen. Mit 288 Satelliten, die mit liechtensteinischen Frequenzen unter chinesischer Flagge durch den erdnahen Orbit rasen, ist auch Liechtenstein im Weltraum angekommen. Wer steht hinter diesem Milliardenprojekt? In einer Sendung des FL-Fernsehens informierte Projektsprecher Florian Krenkel, dass die Shanghai Spacecom Satellite Technology Ltd, die eng mit dem chinesischen Staat verbunden ist, zu den Geldgebern gehört. Mit dabei sind auch liechtensteinische Treuhandunternehmen.
Die Zunahme der Satelliten und Weltraumakteure mit friedlicher und militärischer Nutzung stellt wachsende Anforderungen an die Weltraumsicherheit. Unsere Abhängigkeit satellitenbasierter Funktionen in vielen gesellschaftlich relevanten Bereichen, wie der Telekommunikation oder der Navigation, weist auf eine weltraumgestützte kritische Infrastruktur hin, die mehr und mehr durch Übernutzung und Vermüllung des niederen Orbits bedroht wird. Eine noch grössere Gefahr ist das unkontrollierbare militärische Wettrüsten der Grossmächte. Der Kampf um die militärische Dominanz des Weltraums ist entbrannt: China, Russland, Indien und die USA, sie alle rüsten auf.
Die internationale Gemeinschaft muss dringend ein rechtsverbindliches Instrument zur limitierten Nutzung des Weltraumes und der Kontrolle der militärischen Aufrüstung des Weltraums aushandeln. Der Widerstand der Grossmächte gegen eine solche Vereinbarung ist gross. Das Wettrüsten im Weltraum dürfte daher einstweilen ungehindert voranschreiten. Hoffen wir, dass Liechtenstein durch die Zusammenarbeit mit Chinas Satellitentechnologie nicht ins Visier der rivalisierenden Grossmächte gerät. Die Entwicklung und der Einsatz von Weltraumwaffen muss gestoppt werden. Denkbar wäre etwa, alle Objekte im Weltraum zu verbieten, es sei denn, sie dienen erlaubten Zwecken, etwa der Forschung, Telekommunikation, der Geo-Ortung oder Ähnlichem. Die Vergabe von Frequenzen für Satelliten an fremde Staaten durch unser Land ist sorgsam zu prüfen und hier ist die Politik national und international gefordert.

Erich Walser,
Im Bartledura 8, Schaan

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