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Leserbrief

Alle im selben Boot und doch nicht gleich

Claudia Foser-Laternser, Ingrid Gappisch, Irmgard Gerner, Andrea Hoch, Karin Lingg,... | 3. April 2021

Kurz vor Ostern zieht in Liechtenstein der Frühling ein. Die ansteigenden Temperaturen und die zunehmende Zahl der gegen Covid-19-Geimpften lassen uns wieder Zuversicht schöpfen und auf ein unbeschwerteres Leben hoffen. Andernorts, zum Beispiel in unseren Projektländern Indien oder Brasilien, klettern die Infektions- und Todesraten auf neue Höhen, die Gesundheitswesen kollabieren, und es grassiert die Angst vor der Ausbreitung neuer, aggressiverer Mutationen. Zudem wird nun immer sichtbarer, was viele schon von Beginn der Pandemie an befürchtet hatten: Für diejenigen Menschen, die bereits vorher arm waren, ist das Leben noch beschwerlicher geworden. Wie sich das Leben der Ärmsten verändert hat, dem ist eine Studie von Alliance 15, einem Netzwerk von Entwicklungsorganisationen (darunter auch unser Partner HELVETAS), nachgegangen. Über 16 000 Menschen in 25 Ländern wurden Ende 2020 befragt. Dabei gaben 46 Prozent der befragten Frauen und 37 Prozent der Männer an, dass sie und ihre Familien heute weniger zu essen hätten. Auch die Qualität ihrer Ernährung habe sich verschlechtert. Und dies in Ländern, in denen das Ausmass der Unter- und Mangelernährung bereits vorher zu den weltweit höchsten gehört hatte! Dreiviertel der Menschen mussten eine Verschlechterung ihrer Einkommenssituation beklagen. Die Bauern konnten aufgrund von Handelsunterbrüchen ihre Ware nicht verkaufen. Von den Lockdowns und Ausgangssperren waren vor allem Tagelöhner betroffen, aber auch Menschen mit festen Arbeitsanstellungen verzeichneten einen Rückgang ihres Einkommens. Jede siebte befragte Person ist auf Unterstützung von Angehörigen im Ausland angewiesen. 80 Prozent von ihnen gaben an, diese Geldüberweisungen seien seit Beginn der Pandemie entweder völlig ausgeblieben oder hätten sich verringert. In den untersuchten Ländern und Regionen ist es für jede vierte Person nicht möglich, sich durch Abstand halten, Masken tragen oder mit Seife und sauberem Wasser die Hände waschen, wirksam vor einer Covid-19-Infektion zu schützen. Traurige Realität ist leider auch, dass bislang kaum Impfstoffe in den ärmeren Ländern angekommen sind. Trotz anderslautender Absichtserklärungen der reichen Länder. Die globale Ungleichheit und Ungerechtigkeit zeigt sich an den Folgen der Coronapandemie deutlich. Wir dürfen die benachteiligten Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika nicht allein lassen. Der Stiftungsrat von «Wir Teilen: Fastenopfer Liechtenstein» bedankt sich herzlich für die Spenden, welche bereits zugunsten der diesjährigen Projekte eingegangen sind, und wünscht allen frohe Ostern.

Claudia Foser-Laternser, Ingrid Gappisch, Irmgard Gerner, Andrea Hoch, Karin Lingg, Werner Meier, Werner Pohl, Waltraud Schönen- berger (Stiftung «Wir Teilen: Fastenopfer Liechtenstein»)

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