Leserbrief

Corona. Wir habens ja.

Norman Wille, Auring 9, Vaduz | 29. März 2021

Es ist noch nicht lange her, da habe ich gedacht, dass eine Milliarde Franken ungeheuer viel Geld ist. Nicht lange darauf war von «zig Milliarden» die Rede. Und noch ein paar Jahre später ging es in der Politik nur noch um «mehrere Hundert Milliarden». Und vor wenigen Wochen, da hat die EU, die bei Gott nicht viel vorzuweisen hat, auch noch sage und schreibe eine Billion Euro an neuen Schulden aufgenommen. Vordergründig als «Coronahilfe». Tatsächlich stopfen wir einfach die Finanzlöcher der halben EU. Man stelle sich vor, sofern man dazu überhaupt noch in der Lage ist, angesichts einer Zahl mit 12 Nullen. Gut, man kann sich auf den Standpunkt stellen, was solls, diese «Schulden» werden bestenfalls am St. Nimmerleinstag zurückbezahlt. Und alle wissen es. Ganz anders die Schulden der Gastronomen, der Künstler, der Schausteller, des Einzelhandels. Im Gegensatz zur Politik müssen diese Damen und Herren ihre Rechnungen bezahlen, und zwar selber. Wenn es auch viele, viele geben mag in diesen Zeiten, die sich fragen: Wie nur ? Längst haben wir, nicht nur in der «Coronakrise» jedes Mass, jede Vernunft verloren. Coronakrise, hohe Kosten ? Kein Problem. Schulden aufnehmen. Übers Zurückzahlen sprechen wir dann später. Vielleicht. Oder auch nicht. Besser – nicht. In unserem kleinen Land sind wir noch in einer etwas komfortableren Lage. Aber ich frage mich, was wir unseren Jungen für ein Vorbild sein wollen. Und so kommt es, dass wir in der Coronakrise alles andere sind, nur eines nicht: einfallsreich, mutig, zuversichtlich, kreativ. Das ist das Handwerkszeug von Menschen, die alles haben, nur kein Geld. Aber, wir habens ja. Da buttern wir einfach mal Geld, Geld und Geld rein. Und schauen mal, ob’s was bringt. Also, mir stinkt das. Ich hätte gerne wieder mehr Bodenständigkeit, mehr Selbstreflektion. Und vielleicht auch ein wenig Demut. Nichts von alledem. Aber wir sind in Europa in guter Gesellschaft. Was es … nicht besser macht. Und so laborieren wir weiter an Corona. So, wie es alle anderen auch tun. Und kommen nicht weiter. So wenig, wie alle anderen.


Norman Wille,
Auring 9, Vaduz

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