Leserbrief

Das sagen die neuen Frauen im Landtag

Verkehrs-Club Liechtenstein (VCL) | 24. März 2021

Im «Volksblatt» zum Frauentag am 8. März 2021 haben die zehn neu gewählten weiblichen Landtagsabgeordneten geantwortet auf die Frage «Wo würden Sie ansetzen, um den zunehmenden Verkehr zu bewältigen?». Unter «Verkehr» wird der motorisierte Individualverkehr – ­also im Wesentlichen der Autoverkehr – gemeint und von den Abgeordneten auch so verstanden. Der VCL versucht eine Synthese der Aussagen und erlaubt sich eine ­Bewertung. Fast alle Abgeordneten ­betrachten den Ausbau und die ­Attraktivitätssteigerung des öffentlichen Verkehrs als wichtig. Der VCL meint: Jede Attraktivitätssteigerung unseres öffentlichen Busverkehrs verlangt politischen Mut zu konsequenter Busbevorzugung, auch zulasten des Autoverkehrs. Ohne massive Einschränkungen für das Auto hat Gratis-ÖV keinen wesentlichen Umsteigeeffekt. Ebenso betrachten fast alle Abgeordneten ein Netz von attraktiven Rad- und Fusswegen und die Verbesserung dieses Netzes als vordringlich. So besteht die berechtigte Hoffnung auf mehr politischen Druck. Nach Erfahrung des VCL sind für Fuss- und Radwege nicht nur möglichst direkte und ­sichere Verbindungen wichtig, ­sondern auch deren Qualität. Diese ist heute sehr oft mangelhaft. Hohe Hecken auf der Trottoir-Grenze oder sogar ins Trottoir übergreifende behindern zu Fuss Gehende ­leider häufig. Radwege sind wegen Wasserlachen oft nur bedingt ­alltagstauglich und Baumwurzel-Schwellen sowie 3-Zentimeter-Kanten bremsen Radfahrende stark aus. Ein attraktiver Radweg hat zudem Vortritt vor Nebenstrassen. Betriebliches Mobilitätsmanagement bzw. PP-Bewirtschaftung wurde von knapp der Hälfte der Landtagsabgeordneten angesprochen. Wirksames Betriebliches Mobilitätsmanagement (BMM) verbindet Anreize mit Abreizen, Pull mit Push. Damit kann ein Arbeitgeber schon heute den MIV-Anteil an Arbeitswegen um 15 bis 20 Prozent senken. Eine Attraktivitätssteigerung des Fuss- und Radverkehrs sowie des öffentlichen Verkehrs erhöht den Umsteigeeffekt stark. Lesenswert ist die Postulatsbeantwortung der Regierung an den Landtag Nr. 12/2018 (https://bua.regierung.li/BuA/default.aspx?modus=nr). Dass der motorisierte Individualverkehr grundsätzlich verringert werden muss, sprechen mehrere Landtagsabgeordnete an. Eine Abgeordnete stellt die berechtigte Frage: «Wie viel will jeder Einwohner selbst beitragen?» Natürlich müssen Land und Gemeinden ein Umsteigen durch Anreize attraktiver machen. Doch ein wesentlicher Auto-Umsteigeeffekt wird nur erreicht, wenn Anreize mit Abreizen verbunden werden. Am Ende entscheidet jede Person selbst, ob sie durch mehr aktive Wege einen positiven Beitrag für Klima und ­Umwelt leisten und damit auch sich selbst viel Gutes tun will.

Verkehrs-Club Liechtenstein (VCL)

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