Leserbrief

Rassismus qua Geschichtsvergessenheit

Jens Ockert, Proderstrasse 9, Sargans | 24. März 2021

Hier schlägt zurück, was den Herrschenden lieb und teuer ist – die Geschichtsvergessenheit in der Diskussion, warum es den Rassismus in der Gesellschaft gibt. Der Rassismus ist quasi erst einmal ein soziales Problem. Gegen Rassismus würde ein Geschichtsstudium der vergangenen 1000 Jahre weit mehr erreichen als billige wohlfeile Ermahnungen sich selbst ermächtigter Teile der Gesellschaft. Was viele ehemaligen und derzeitigen Kolonialstaaten nämlich vergessen, ist, dass die jahrhundertelange Ausbeutung von ganzen Kontinenten mit dem Begriff Entwicklungshilfe maskiert worden war. Einhergehend gab es die Unterwerfung von Arbeitskräften in diesen Ländern. Diese wurden niedriger gestellt, da sie für Hungerlöhne oder ohne Entgelt für die Kolonialisten arbeiten mussten und das meist ganz ohne bürgerliche Rechte. Über Literatur, bildende Kunst, Medien usw. wurde vor allem im letzten Jahrhundert mehr und mehr darüber berichtet. So etablierte sich das Bild des vermeintlich niedrigeren sozialen und kulturellen Niveaus der unterdrückten Völker. Im sozialen Konkurrenzkampf ist für bestimmte Menschen unter uns jedes nur denkbare äussere Unterscheidungsmerkmal oder die Herkunft seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte ein willkommenes Argument, sich Vorteile zu verschaffen, indem er diese herausstellt und sich überheblich distanziert, Ausgrenzung betreibt, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erschwert beziehungsweise ausschliesst. Die Herrschenden jedoch nutzen diesen Umstand auch gern, eigene Verantwortlichkeiten für gesellschaftliche Probleme auf die so Geächteten zu projizieren. Das ist der wahre Grund! Schlusswort: Es gibt die Jenaer Erklärung. «Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung.» Prof. Dr. Johannes Krause, Max-Planck-Institut, Jena in Thüringen, ist Mitautor dieser Erklärung.


Jens Ockert, Proderstrasse 9, Sargans

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