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Leserbrief

Corona. Etwas draus lernen

Norman Wille, Auring 9, Vaduz | 15. März 2021

Wenn mir eines in dem Jahr «Corona» noch klarer geworden ist, dann in was für eine gewaltige Schräglage wir unser Gesundheitswesen gesteuert haben. «Gesundheit ist unser höchstes Gut.» Ich weiss schon, dass wir alle diese vermeintliche Binsenweisheit in regelmässigen Abständen runterplappern. Nur, es stimmt halt eben nicht. Gesundheit ist die unverzichtbare Basis unser aller Existenz. Sie ist das Einzige, das uns bleibt. Kommt sie uns abhanden, sind unsere Tage bereits angezählt.
Und was tun wir? Wir geben Millionen und Abermillionen dafür aus, wie die Kosten für die Gesundheit weiter reduziert werden können. Tun wir das? Mitnichten. Wir «optimieren» nicht die Kosten im Gesundheitswesen. Das Einzige, was wir optimieren, ist die reale Rendite von Kliniken und Pharmakonzernen. Wer von uns hat nicht schon bei einem Spitalbesuch vermittelt bekommen, dass «man derzeit gerade am Prozess Optimieren» sei. Auch das ist glatt gelogen. Es werden nicht Prozesse optimiert. Es wird ausbaldowert, wie wir auf dem Buckel von Patienten und Pflegern noch mehr vom Krankenkassengeld in die Kassen von windigen Consulting-Unternehmen und unersättlichen Klinikleitungen abzweigen können.
Nun, die meisten von uns sind – Gott sei Dank – in der komfortablen Lage, dass sie ein Spital nur vom Hörensagen kennen. Alle anderen möchte ich ermuntern, beim nächsten Spitalbesuch die Augen aufzumachen. Ich bin geradezu erschüttert, wie der Pflegenachwuchs gedrillt und getrimmt wird. Eine Kompanie der Rekrutenschule kann sich dabei was abschauen. Immer wieder bin ich – wie auch in der Coronazeit – mehr als erstaunt, wie ungeheuer leidensfähig die Mitarbeiter/-innen im Pflegebereich sind. Sie opfern sich zu jeder Tages- und Nachtzeit für die Patienten auf, gerade in der gegenwärtigen Lage. Was bekommen sie dafür? Gar nichts. Unterbezahlt mit weiterhin schlechten Arbeitsbedingungen. Und so wird es weitergehen. Weil sich die Pflegenden in den Hintern kneifen, sich ärgern. Und weiter brav mitspielen. Schön. Vor allem für die Heerscharen von Beratungsunternehmen. Und die Klinikleiter, in der Regel von dero Gnaden politischer Partei. Wenig Ahnung vom Gesundheitswesen. Aber viel, wie man zugunsten der Politik agiert. Auf dem Buckel von uns allen. Erstaunlich, dass wir so viel Geld für so wenig Gesundheitswesen auszugeben bereit sind. Wir sollten viel, viel anspruchsvoller werden. Und zwar schnell.

Norman Wille,
Auring 9, Vaduz

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