Leserbrief

Ansichten eines Bleichgesichts

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan | 6. März 2021

Jetzt haben wir es schwarz auf weiss. Wir lesen: «Dumbo, Dschungelbuch, Aristocats – Lange galten diese Filme als harmlose Kinderklassiker. Dabei stecken darin viele ungute Klischees bin hin zum Rassismus, etwa in Peter Pan, wo amerikanische Ureinwohner als Rothäute bezeichnet werden.» Soweit die Einleitung unter dem Titel «Warum Aristocats und Co. nicht harmlos sind» («Volksblatt», 4. März, S. 32). Einem Bleichgesicht wie mir wird da ganz anders, ist es doch noch gar nicht so verdammt lang her – es war wunderbar – da sass man auf dem Sofa und hat mitgefiebert, gelacht und gelitten mit seinen Kindern und den Charakteren dieser Filme. Kein Hauch von Rassismus, «unguten Klischees», «weissen» Standpunkten oder Stereotypen! Keine Spur, welch ein Unsinn! Das Happy End stand ohnehin fest. Das Gute, Aufrichtige wird siegen; das Böse, Niederträchtige wird eine vernichtende Niederlage erleiden. Anders als im realen Leben, wie mir scheint. Da übernehmen Menschen mehr und mehr das Kommando, wie z. B. die Schauspielerin im «Volksblatt»-Artikel, die anderen Rassismus unterstellt, um dann ungerührt festzuhalten: «Die meisten weissen Menschen checken nichts», und dabei offenbar nicht den Hauch eines Widerspruchs entdecken mag. Wobei das noch ein harmloses Beispiel der faschistoiden Ignoranz in diesem Milieu ist. Meinen beiden Kindern, auf jeden Fall, die «Aristocats», «Dschungelbuch» und wie sie alle hiessen, so oft gesehen haben, dass sie die Dialoge mitreden, die Songs mitsingen konnten, ist so ein Satz noch nie über die Lippen gekommen und ich frage mich, ob es sein kann, dass hier Menschen ihren Hass, ihre Verachtung anderer Ideale als die ihren, auf andere projizieren?! Ich bin überzeugt, dass sie es sind, vor denen wir uns in Acht nehmen müssen. Das Schöne liegt im Auge des Betrachters, heisst es. Das gilt auch für das Böse. Die Sprache und damit das Denken der Menschen kontrollieren zu wollen, ist ein untrügliches Merkmal totalitärer Gesinnung. Kein Tyrann, der dort nicht zuallererst dem Terror Bahn bricht. Sie mögen sich für den Moment bei den «Aristocats» aufhalten, enden wird es dort nicht. Bedenklich ist auch, wie viele sich vor diesen fanatisierten, ideologisierten Inquisitoren bereits feige in den Staub geworfen haben. Das schmerzt fast mehr als alles andere. Es ist an der Zeit aufzustehen!


Hans Mechnig,
Tröxlegass 46, Schaan

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