Leserbrief

Was hat er sich dabei gedacht?

Philipp Kindle, Oberfeld 66, Triesen | 22. Februar 2021

In der Tat wurde dem Fürsten das Vetorecht deutlich zugestanden. Mich irritiert dabei allerdings, dass er androht, sein Sohn würde wahrscheinlich das Veto für ein Gesetzt, dass noch nicht einmal ausgearbeitet wurde, einlegen. Ich wünsche mir vom Fürstenhaus, dass es die Meinung des anderen Souveräns, nämlich des Volkes, zuerst anhört anstatt vorzupreschen und alles zu unterdrücken. Grundsätzlich finde ich, jede und jeder soll seine eigene Meinung haben. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass die Aussagen, die man macht, auf die Position, die man innehat, angepasst sein sollten.
Mich bewegt im Besonderen die Aussage des Fürsten, dass er es als problematisch ansieht, wenn zwei Männer einen Knaben adoptieren können. Seine Aussage lässt grossen Interpretationsspielraum. Wieso sollte es problematisch sein, wenn zwei Männer einen Jungen adoptieren? Eventuell stellt der Fürst Homosexualität mit Pädophilie gleich, was ich sehr verachtenswert fände. Homosexualität ist eine sexuelle Orientierung, Pädophilie eine schwere psychische Krankheit. Ein alter Zopf, wenn man dies gleichstellt. Oder, er will das traditionelle Familienmodell mit Mutter, Vater und Kind wahren. Ich finde, genau über dieses Modell müsste man zuerst diskutieren. Ich stelle die traditionelle Familie überhaupt nicht infrage, nur gibt es in der heutigen Zeit auch andere Varianten des familiären Zusammenlebens, die ihre Berechtigung haben. Kann es sein, dass er das Kindeswohl in Gefahr sieht? Ist es wahr, dass ein Kind Vater und Mutter benötigt? Ich denke, ein Kind wünscht sich in erster Linie Liebe und Geborgenheit und ihm kommt es nicht so darauf an, ob seine Eltern jetzt Mama und Papa, Mama und Mama oder Papa und Papa sind. Ausserdem gibt es genügend Beispiele, in welchen ein Kind mit nur einem Elternteil aufwächst. Gerade gleichgeschlechtliche Paare mit einem Kinderwunsch überlegen sich bestimmt sehr gründlich, ob sie diesen Schritt gehen möchten. Ist das Wohl eines Kindes durch die Adoption von einem gleichgeschlechtlichen Paar tatsächlich in Gefahr oder ist eher das gesellschaftliche Denken eine Gefahr für das Kindswohl? Unser Fürstentum möchte sich immer als moderner Staat darstellen. Liegt aber, wenn man genauer hinschaut, weit zurück.

Philipp Kindle,
Oberfeld 66, Triesen

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