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Leserbrief

Herr Liechtenstein plaudert

Stefan Sprenger, Im Malarsch 9, Schaan | 17. Februar 2021

Muss man sich wundern, wenn Herr Liechtenstein anlässlich seines Geburtstags aus der Denkschule seiner Familie plaudert und die Unterschiede zur Zivilgesellschaft deutlich macht? Nein. Auch dass sich Herr Liechtenstein gelegentlich damit amüsiert, politisch unkorrekt auf ein paar Zehen zu treten, dürfte bereits Teil der hiesigen Folklore sein. Aber man sollte aus zwei Gründen genauer hinhören.
Mit der locker servierten Andeutung, Schwule seien Pädophile, zementiert er von höchster Staatsstelle aus Vorurteile, gegen die ein Verein wie FLAY seit vielen Jahren kämpft. Das ist gesellschaftspolitisch hochproblematisch und würde in den umliegenden Ländern zu Rücktrittsforderungen führen, hätten sich dort Staatsoberhäupter so geäussert.
Die Bemerkung des Herrn Liechtenstein hingegen, der Erbprinz würde vermutlich sein Veto einlegen, sollte sich der kommende Landtag für eine «Ehe für alle» aussprechen, ist nicht nur ein Einschüchterungsversuch der Volksvertretung, sondern deutet das Sanktionsrecht des Fürsten zu einem prophylaktischen Recht zur Niederschlagung unerwünschter Themen um – demokratiepolitisch ein Angriff auf die Rechte des Souveräns Volks und seiner Vertreterinnen.
Ich hoffe doch sehr, dass sich der neue Landtag hier energisch zu wehren weiss und mindestens so viel Guraschi beweisen wird, wie sich Kirsch in der Geburtstagstorte befunden haben muss.

Stefan Sprenger,
Im Malarsch 9, Schaan

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