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Leserbrief

Wir sind solidarisch, also sind wir wütend

Vorstand Frauennetz Liechtenstein | 17. Februar 2021

Einige meinen, dass unsere spezielle Staatsform uns Weitsicht und Stabilität über Generationen hinaus beschere. Sie beschert uns aber auch manchen Mittelalter-Moment.
Über 80 Prozent des neu gewählten Landtags sind gemäss wahlhilfe.li dafür, dass gleichgeschlechtliche Paare in allen Bereichen die gleichen Rechte wie heterosexuelle Paare haben sollen. Ein Grund zur Freude für viele LGBTIQ, ihre Familien, Verwandten, Freundinnen und Freunde.
Fürst Hans-Adam II. äussert sich in einem Interview mit Radio L wie folgt dazu: «Ich hätte grundsätzlich nichts dagegen, solange homosexuellen Ehen nicht das Recht gegeben wird, Kinder zu adoptieren. Wenn Homosexuelle Knaben adoptieren, ist das nicht unproblematisch.» Es werde aber eine Entscheidung des Erbprinzen sein, wie er reagiert, sollte der neue Landtag das Thema aufgreifen: «Ich würde davon ausgehen, dass er sein Veto einlegen würde, falls es zu einem Mehrheitsbeschluss kommen würde.»
Als erste Reaktion zeigten sich die Vertreterinnen und Vertreter des Vereins Flay auf Nachfrage der Medien bestürzt. Nicht nur sie sind wütend und äussern ihr Missfallen. Es ist nicht nur undemokratisch, dass der Landesfürst ein Nicht-Sanktionieren eines Gesetzes androht, das offensichtlich die Unterstützung einer grossen Mehrheit des Landtages finden würde, sondern auch menschenverachtend, dass er Schwule generell verdächtigt, pädophil zu sein.
Die Frage bleibt, was heisst das für uns als Gesellschaft? Wer gibt eine Antwort darauf?


Vorstand Frauennetz Liechtenstein

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