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Leserbrief

Grenzenlose Zumutbarkeit?

Carmen Sprenger-Lampert, Landstrasse 333, Triesen | 13. Februar 2021

Gerne beziehe ich mich auf den ­Leserbrief von Frau Kessel bzw. denjenigen von Frau Biedermann («Volksblatt»-Ausgaben vom 11. und 12. Februar, Anm.). Auch mich ­betrifft der Testzwang bei der ­Ein­reise nach Österreich – zwar nicht als ­Berufspendlerin, aber als ­österreichische Staatsbürgerin mit Wohnsitz in Liechtenstein und Familien­angehörigen in Vorarlberg.
Diese Zwangstests sind eine rigorose Massnahme, welche die Frage nach der Verhältnismässigkeit aufbringen. Man bedenke, dass dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit Verfassungsrang gebührt. Ist es in Anbetracht der vorliegenden Fakten verhältnismässig, symptomlose Menschen im Wochenrhythmus zu testen? Wie ist diese Massnahme hinsichtlich der Menschen- bzw. Grundrechte zu rechtfertigen? Wer kann belegen, dass die Ansteckungsgefahr an den Arbeits­plätzen, Schulen usw. so gross ist, um dieses Vorgehen zu rechtfertigen? Wer kann beweisen, dass beim Treffen von Familienangehörigen unter Einhaltung der Schutzmassnahmen eine Ansteckung erfolgt? In welchem Verhältnis steht der ­Nutzen dieser Massnahmen zum ­daraus ­resultierenden Aufwand bzw. ­Schaden?
Für mich ist es ein alarmierendes Zeichen bzw. eine äusserst fragwürdige Praktik, wenn arbeitswillige Menschen, Unternehmer, Schüler usw. derartige Schikanen bewältigen müssen, eine funktionierende Wirtschaft aufs Spiel gesetzt wird und intakte Familienverhältnisse bzw. Beziehungen negativ belastet werden. Wo führt das hin?
Das Motto «Nichts bleibt unversucht – im Blindflug ohne Rücksicht auf Verluste.» scheint Priorität zu haben. Wenn Schutzmassnahmen mehr Schaden als Nutzen anrichten, sind diese kontraproduktiv. Das grosse Schweigen der Juristen bzw. Verfassungs- und Menschenrechtler verwundert mich sehr. Mögen sich diese Fachleute bitte zu Wort melden, bevor das Fass überläuft. Ebenfalls appelliere ich an die Liechtensteiner Regierung, entsprechende Verhandlungen mit den Nachbarn im Sinne der Menschlichkeit zu führen.

Carmen Sprenger-Lampert,
Landstrasse 333, Triesen

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