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Leserbrief

Verhältnismässigkeit und Augenmass

Kurt Gstöhl, Festspielstrasse 22, Eschen | 11. Februar 2021

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Hartnäckigkeit die Politiker europa- und weltweit seit bald einem Jahr gebetsmühlenartig mit nach wie vor zusammenhanglosen «Fallzahlen», die gerne auch pauschal als Erkrankte aufgeführt werden, die Bevölkerung weiterhin verunsichern und verängstigen. Eine transparente und ausgewogene Berichterstattung in den öffentlichen Medien vermisse ich nach wie vor, sodass immer noch der Eindruck entsteht, dass jede und jeder, der sich mit dem Virus infiziert, schwer erkrankt, auf der Intensivstation landet oder gar dahingerafft wird. Solange an dieser nichtssagenden «Fallzahlenstrategie» festgehalten wird, wird sich daran auch nichts ändern. Der Bericht im «Vaterland» vom 12. Januar 2021 über die Situation in unseren Pflegeheimen von Manuela Schädler schildert, wie sich dort die tägliche Situation abspielt. Herr Salzgeber informiert in diesem Artikel vorbildlich und transparent, welche Personengruppen besonders gefährdet sind. Er hält fest, dass es sich mehrheitlich um Personen in hohem Alter mit schwerwiegenden Mehrfacherkrankungen handelt. Herr Salzgeber hält zudem fest, dass die Sterblichkeitsrate über das Jahr 2020 verteilt im Durchschnitt nicht höher sei als in anderen Jahren. Diesen Personengruppen, die massgeblich zur Entwicklung unseres Wohlstands beigetragen haben, gebührt unser Respekt. Zugleich dürfen wir aber den jungen Generationen, die ihre Zukunft noch vor sich haben, diese nicht verbauen. Wir müssen ein Gleichgewicht finden, das den Schutz der Risikogruppen auf der einen Seite und die Zukunft unserer Nachfolgegenerationen auf der an-deren Seite nicht gefährdet, sonst endet das Ganze in einem finanziellen, kulturellen, kommerziellen, ­politischen und sozialen Desaster. Wir können uns vor Viren nicht verstecken und können sie weder ein- noch aussperren. Viren waren immer schon da und werden auch in Zukunft unsere Begleiter sein. Wir müssen lernen, mit vernünftigen und verhältnismässigen Massnahmen damit zu leben, ohne dass ­unser gesellschaftliches Leben zu stark eingeschränkt oder gar Existenzen vernichtet werden. Das ist sicher keine leichte Aufgabe, um die ich die Politiker auch nicht beneide. Wir müssen in ein Zusammenleben zurückfinden, wo wir uns wieder ohne Masken, ohne Abstand und ohne Angst begegnen und ohne schlechtes Gewissen näherkommen können.

Kurt Gstöhl,
Festspielstrasse 22, Eschen

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