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Leserbrief

Kommentar zum Leserbrief von Sigi Scherrer betreffend «Absurdistan»

Paul Vogt, Palduinstrasse 74, Balzers | 6. Februar 2021

Lieber Sigi, zum Glück können die Leute vom Amt für Statistik besser rechnen als du – ich versichere dir, dass ihre Rechnung stimmt. Auf einem anderen Blatt steht, dass die standardisierten «Situationsberichte» der Regierung verwirrend formuliert sind und sich nicht selbst erklären.
Es geht um die sogenannte Inzidenz: Darunter versteht man die Anzahl neu aufgetretener Krankheitsfälle innerhalb einer bestimmten Population (hier also der liechtensteinischen Bevölkerung) in einem bestimmten Zeitraum (nämlich 7 Tage). Wenn also in den letzten 7 Tagen durchschnittlich 6 Personen pro Tag erkrankt sind, waren es zusammen 42. Da die Zahl der neu Erkrankten sinkt, sind in den letzten 14 Tagen etwas mehr als 42 Leute erkrankt. Umgerechnet auf 100 000 Einwohner entspricht das dann (gerundet) etwa 250 – dieser Vergleichswert ist nicht mit der effektiven Zahl der Erkrankten zu verwechseln. Die Berechnung der Inzidenz ist (im Vergleich mit andern Werten wie dem Faktor R) sehr einfach, man muss nur den Dreisatz verstehen.
Nicht absurd, sondern einleuchtend ist der Zweck dieser Berechnung: Diese Zahl ermöglicht es, Liechtenstein mit andern Staaten zu vergleichen und daraus Lehren und Massnahmen abzuleiten. Absurd wäre etwa die Behauptung, Liechtenstein mit ca. 50 Neuinfektionen pro Woche und einer 7-Tage-Inzidenz von ca. 250 stehe viel besser da als Deutschland mit ca. 14 000 Neuinfektionen und einer 7-Tage-Inzidenz von ca. 80. Deutschland steht zwar nicht gut, aber vergleichsweise viel besser da. Ziel der ergriffenen Massnahmen ist es, den Inzidenz-Wert unter 50 zu bringen, erst dann sollte man über Lockerungen bei den Massnahmen reden. Aus der Entwicklung des Inzidenzwertes ergibt sich, dass in Liechtenstein die jüngste Entwicklung zwar Anlass zu Hoffnung gibt, der Wert ist aber noch immer viel zu hoch und es wird viel Kraft und Überzeugung brauchen, mit den strengen Massnahmen bis in den Frühling fortzufahren.
Was hingegen in deinem Leserbrief wirklich absurd ist, sind deine Gewichtsberechnungen. Darauf möchte ich nicht weiter eingehen, wir können es gern mündlich klären. Und zum Schluss: Du hast das Recht, dich skeptisch zu Aussagen der Regierung über die Coronaepidemie zu äussern. Bleib aber bitte bei den Fakten und verwirre die Leute nicht mit abstrusen Aussagen.

Paul Vogt, Palduinstrasse 74, Balzers

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