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Leserbrief

Unser Berggebiet – Nur eine Fitness- Kulisse?

Felix Näscher, Kirchstrasse 11, Vaduz | 3. Februar 2021

Wildtier-Schauen bedeutet Natur-Erleben: Beschauliche Bergwanderungen über Alpila zu den Drei Schwes-tern, um den Schönberg, auf den Galinakopf, auf dem Fürstin Gina-Weg vom Sareis zur Pfälzerhütte oder zum Rappenstein werden erst durch den Anblick von Wild zum Naturerlebnis. Erinnern wir uns doch mal an ein Rudel von ruhig zwischen den Legföhren äsenden, dabei aufmerksam zu den Kitzen äugenden Gamsgeissen, wenn ihre Jungschar spielerisch auf einem Schneefeld runterrutscht, oder an eine Halbstarken-Gruppe von jungen Böcken, die im unernsten Kampf untereinander den stärksten auszumachen versuchen oder an einen alten Bock, der auf einem erhabenen Aussichtspunkt liegend zu philosophieren scheint. Pures Naturerlebnis, erholsam-beruhigendes Sich-Eins-Fühlen mit der Bergwelt und damit Krönung einer Wande-rung ist es doch, solche Szenen beobachten zu können: Und dies zu sehen soll nun auf einmal vorbei sein?
Beliefen sich die jährlichen Gamsabschüsse Ende der 1950er-Jahre noch auf gute 40 Stück, erhöhten sich diese auf 115 Stück am Ende der 1990er-Jahre und betrugen im Durchschnitt der letzten fünf Jahre 154 Stück. Wurde bei der Herbstzählung 1989 noch ein Bestand von über 1000 Stück erfasst, nahm dieser bis zur letzten Zählung im November 2020 auf magere 447 Stück ab. Das weitere Vorkommen der Gämse in gesunden, nach Geschlechts- und Altersklassen artgerecht aufgebauten Rudelverbänden ist arg gefährdet: Die Abschussplanung differenziert nicht nach Lebensräumen mit unterschiedlichen Tragfähigkeiten für die Gämse, trägt weder wildbiologischen noch wildökologischen Gegebenheiten gebührend Rechnung und lässt den Einfluss von Luchs und Wolf auf die Gamspopulation aussen vor. Eine derartige Jagdpolitik, und dies selbst für optimale Gams-Lebensräume oberhalb der Waldgrenze und in locker aufgelösten, natürli-chen Bergwäldern, ist – um es nicht gröber zu sagen – schlicht inakzeptabel.
Was soll denn teure Besucherwerbung für unsere vermeintlich heile Bergwelt, wenn gleichzeitig symbol-kräftig-attraktive Vertreter, die Gämsen, die eben einen Teil dieser Bergwelt ausmachen, mutwillig kaputt gemacht werden! Wo auf einer Bergwanderung Wildtiere nicht sichtbar sind, verkommt der Berg zur reiz- und emotionslosen Kulisse für Fitnessfreaks – und dies kann nicht im Interesse von Naturliebhabern sein.

Felix Näscher,
Kirchstrasse 11, Vaduz

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