Leserbrief

Digitalisierung auf Kosten der Kinder

Stefanie Leibfried, Grossfeld 29 Eschen | 27. Januar 2021

Berichte aus Deutschland über Hackerangriffe auf Lernplattformen und Schulchats, bei denen Schulkinder jeden Alters mit nicht jugendfreien Inhalten konfrontiert wurden, zeigen auf, worum es beim Datenschutz im schulischen Bereich eigentlich geht: Nicht um die Speicherung irgendwelcher anonymer Klicks, sondern um den Schutz unserer Kinder.
Um diesen ist es in Liechtenstein schlecht bestellt. So werden vom Schulamt (ohne die Eltern vorgängig zu informieren) ebenso fantasie- wie alternativlos Accounts nach dem Strickmuster nachname.vorname@schulen.li vergeben. Vor dem Hintergrund, dass die Identitäten der Erstklässler jedes Jahr mit Foto und vollem Namen veröffentlicht werden, ist das zumindest bedenklich.
Microsoft und andere IT-Unternehmen lassen sich in ihren Lizenzverträgen grosse Spielräume für die Verarbeitung, Speicherung und Weitergabe von Daten offen, setzen dafür aber klare Altersbeschränkungen für die Endnutzer. Diese werden an liechtensteinischen Schulen nicht beachtet. So bekommen elfjährige Schüler Laptops zur Verfügung, auf denen YouTube (ab sechzehn) installiert ist. Immerhin jetzt werden die Eltern «einbezogen»: Sie dürfen eine Unterschrift leisten, dass sie die sachgemässe Nutzung überwachen und für allfällige Schäden haften. Einen Plan B für den Fall, dass jemand nicht unterschreiben will, gibt es nicht.
Laut Lehrplan soll den Kindern Medienkompetenz vermittelt werden. Aber wie soll das gelingen, wenn eine solche Fahrlässigkeit im Umgang mit den Daten, den Rechten und auch den Bedenken der Kinder vorgelebt wird? Wenn es zum normalen Unterricht gehört, wissentlich Falschaussagen anzukreuzen («Ich bin volljährig …»)?
Dem Schulamt ist mehr als ein «Datenschutz-Patzer unterlaufen». Die DSVGO gilt seit zwei Jahren. Spätestens 2013 (Snowden) ist die Wichtigkeit des Datenschutzes ins öffentliche Bewusstsein gerückt und wird seitdem durch unzählige Fälle von Datenklau, Cybermobbing und -betrug bestätigt. Dies lässt den Verweis auf den «grossen Zeitdruck» im Digitalisierungsprozess («Volksblatt» vom 22. Januar 2021) grotesk erscheinen. Kein Lehrer der Welt würde eine solche Entschuldigung gelten lassen – für jahrelang nicht gemachte Hausaufgaben.


Stefanie Leibfried, Grossfeld 29 Eschen

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