Leserbrief

Leben wir in einem Bananenstaat?

Reinhard Walser, Bartlegrosch 38, Vaduz | 15. Januar 2021

Die FMA hat Anfang Dezember Georg Wohlwend wegen unerlaubter Insidergeschäfte angeklagt. Als Folge davon ist Georg Wohlwend als Präsident des Verwaltungsrats der Liechtensteinischen Landesbank zurückgetreten. Die internationalen Medien haben mit grosser Schadenfreude über den erneuten Finanzskandal im Steuerparadies Liechtenstein geschrieben. Genüsslich wurde der angebliche Bananenstaat zur Schau getragen: ein Leckerbissen für die Journalisten der Wirtschaftspresse und der Boulevardmedien.
Liechtensteins Staatsanwalt hat dann einen Monat später entschieden, dass die Anklage ungerechtfertigt sei und er nicht daran denke, ein Strafverfahren gegen Georg Wohlwend einzufordern.
Fazit: Der Schaden ist angerichtet. Unumkehrbar und unlöschbar. Was für eine unbeschreiblich persönliche Beleidigung für Georg Wohlwend. Und was für eine weittragende Rufschädigung für den Staat Liechtenstein, also für uns alle, Einwohnerinnen und Einwohner dieses Landes.
Unverständlicherweise hat dieser gravierende Vorfall in Liechtenstein keine Reaktion ausgelöst. Keine Erklärung und Entschuldigung der FMA. Kein Hinterfragen der Medien. Und keine Massnahmen der Regierung oder des Landtags. Offenbar gilt die Devise: Deckel drauf und Schweigen im Walde.
Für viele Bürger ist ein solches Verhalten nicht nachvollziehbar. Immerhin ist die FMA diejenige Organisation im Lande, welche angeblich die höchsten Löhne bezahlt. Aber offenbar reflektiert diese Wohlfühloase weder Verantwortung noch Respekt. Ihr fahrlässiges Verhalten ist unentschuldbar.
Viele Bürger erwarten Antworten auf offene Fragen: Auf welchen Grundlagen hat die FMA diese Anklage gegen Georg Wohlwend initiiert? Wer trägt bei der FMA schlussendlich die Verantwortung für diese Katastrophe? Und hat die FMA sich bei Georg Wohlwend und dem Staat Liechtenstein entschuldigt?
Ich hoffe, dass die Politik nun reagiert und dass entsprechende Konsequenzen gefordert werden. Es kann doch nicht sein, dass in Liechtenstein eine Person oder eine Organisation andere, in diesem Fall Georg Wohlwend und das Land Liechtenstein, unbestraft diskreditiert. Sollte ein solches Verhalten akzeptiert werden, dürfen wir uns nicht wundern, dass Verantwortungsbewusstsein und Respekt gegenüber dem anderen stranguliert werden.
Und leider: Sollte dieser Vorfall keine Folgen haben, dürfen wir uns auch nicht wundern, dass wir im Ausland als Bananenstaat tituliert werden.

Reinhard Walser,
Bartlegrosch 38, Vaduz

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