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Leserbrief

Verhältnismässig?

Georg Kieber, Binzastrasse 6, Mauren | 14. Januar 2021

Im «Volksblatt» vom 8. Januar schreckt mich die Schlagzeile auf: «Grösster Ausbruch des Coronavirus seit Monaten in China», und im Text lese ich die Fakten dazu: In der Provinz Hebel (11 Millionen Einwohner) vor den Toren Pekings seien «90 Erkrankungen und 144 asymptomatische Infektionen» gemeldet worden. Und auch die ehrwürdige «NZZ am Sonntag» berichtet am 10. Januar auf Seite 2, illustriert mit Testpersonal in Ganzkörper-Schutzanzügen, von diesem neuen «Coronaausbruch» in China und schreibt: «Die Behörden meldeten am Freitag 33 neue Infektionen». Man setze diese Zahlen in Beziehung zu den 1,5 Milliarden Einwohner Chinas. Man könnte solche Meldungen abtun und sich sagen, Journalisten verfallen halt oft der Neigung, sich selbst zu disqualifizieren, aber so einfach ist es nicht. Diese Beispiele zeigen exemplarisch, dass bei der Corona-Berichterstattung zu oft nicht nur die sachliche Einordnung, sondern auch die Verhältnismässigkeit vollständig abhandengekommen ist. Und man fragt sich, was reitet die Medienschaffenden, dies zu tun? Immerhin schreibt das «Vaterland» am 12. Januar, die Pflegeheime («fast alle Bewohner haben schwerwiegende Mehrfacherkrankungen») seien von der Coronapandemie besonders betroffen und fügt hinzu: «Trotzdem ist die Sterblichkeit nicht höher»; ein bisschen zynisch geworden bei diesem Thema, höre ich fast etwas Bedauern heraus, dass die Fakten zu wenig für die grosse Dramatik (Coronatote) hergeben. Nun aber werden wir zur Impfung beworben, aggressive, ganzseitige Inserate sind angelaufen. Ein sinnvolles und gutes Produkt wird aus Einsicht gekauft, muss nicht verschenkt und nicht wie ein Waschmittel angepriesen werden. Die Kampagne erinnert mich an die Schulzeit, wo wir von einem alten Römer (Vergil) lernen mussten: «Ein Kaufmann macht sich durch allzu vieles Rühmen der Ware, die ihm feil ist, nur verdächtig.»

Georg Kieber,
Binzastrasse 6, Mauren

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