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Leserbrief

Die Leitung durch Nachbars Garten

Benno Büchel, Brüel 15, Balzers | 30. Dezember 2020

Dass ein Nachbar aus irgendeinem Grunde ein Durchleitungsrecht wünscht, ist an und für sich nichts Aussergewöhnliches. Niemand von uns würde aber verstehen, wenn diese befristet gewährte Dienstbarkeit verlängert würde, obwohl der Grund für die Gewährung inzwischen nicht mehr gegeben ist.
Vor 50 Jahren wurde die Hochspannungsleitung Sarelli-Winkeln statt dem Rhein entlang über die Fläscher Rebberge, Lida, das Elltal und nahe an Balzner Wohngebiet verlegt. Der Grund für diesen Umweg lag hauptsächlich darin, dass schon bei der viel kleineren Vorgängerleitung – und 1971 immer noch – die Festung am Ellhorn eine gewisse Rolle in der Verteidigungsstrategie der Eidgenossenschaft spielte und man keine Stromleitung vor den Kanonenrohren haben wollte. Es wurde ein Durchleitungsrecht für 50 Jahre vereinbart.
Seither hat sich einiges verändert: Die Festungsanlagen am Ellhorn sind abgebaut und der kulturelle Wert des Leitungsabschnitts Fläsch-Balzers als botanisches sowie landschaftliches Kleinod wird allgemein anerkannt; daher schmerzt die Verschandelung durch die Leitung jede nur einigermassen ästhetisch angehauchte Seele. Die Balzner Behörden haben in den letzten 15 Jahren verschiedentlich darauf hingewiesen, dass der Vertrag nicht mehr verlängert werde und dass eine Alternative gesucht werden muss. Es ist daher sehr bedenklich und traurig, dass seitens der Betreiberfirma, die übrigens inzwischen von NOK über Ascom zur Swissgrid wurde, keinerlei Einsicht gezeigt wird: Statt Dankeschön zu sagen für das Durchleitungsrecht während der letzten 50 Jahren und Willen zu zeigen, die Leitung dorthin zu verlegen, wo sie hingehört, droht Swissgrid den Grundstückseigentümern mit gerichtlichen Konsequenzen und Enteignung. Ist das freund-nachbarliche Gepflogenheit, die man sich wünscht?

Benno Büchel, Brüel 15, Balzers

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