Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Über die Idee einer Strombörse

Hans Frommelt, Gapont, Triesen | 25. November 2020

Dem «Vaterland» ist wöchentlich die Zeitung «WirtschaftRegional» beigelegt. In der letzten Ausgabe geht es unter anderem um die zukünftige Stromversorgung Liechtensteins. Im Titel schreibt das «WirtschaftRegional»: «Hausbesitzer im ganzen Land werden zu Stromversorgern». Im Untertitel steht: «Die LKW will eine Energieaustauschplattform auf den Markt bringen».
Der Zeitungsbeitrag wird illustriert mit einem Foto der Fotovoltaikanlage an einer der beiden Rheinbrücken, die die Schweiz mit Liechtenstein verbindet. Erwähnt wird im Text, dass bei den erneuerbaren Energien die Ziele der (liechtensteinischen) Energiestrategie deutlich verfehlt wurden. Eine recht deutliche Sprache.
Bei einer Energieaustauschplattform geht es nicht nur darum, dass alleinig Hausbesitzer demnächst ihren Strom vermarkten können. Eine Energieaustauschplattform muss allen Stromproduzenten die Möglichkeit eröffnen, um den selbst erzeugten «Sonnenstrom» über ein Quartierstrommodell Dritten zu verkaufen.
Damit das Zukunftsmodell ohne Atom- und Kohlenstrom funktioniert, sind sämtliche Stromproduktionsmöglichkeiten einzubeziehen und nicht nur die Hausbesitzer, die eine Fotovoltaikanlage auf ihren Dächern installiert haben, oder noch werden. Das gilt auch für die Fotovoltaikanlagen an den Rheinbrücken, die einer NGO gehören und als Baurecht an den Brücken montiert wurden. Solches gilt auch für Fotovoltaikanlagen auf Dächern, die nicht den Hausbesitzern gehören, sondern beispielsweise von Wohnungsmietern im Baurecht realisiert sind und noch werden. Gilt auch für Industrie- und Grossgewerbedachflächen. Dasselbe gilt wohl auch für Fotovoltaik-Freiflächenanlagen auf Äckern und Wiesen, die landwirtschaftlich und zu Stromproduktionen in Doppelnutzung genutzt werden. Der Landwirt lässt Schafe und Ziegen zwischen den aufgeständerten Fotovoltaikanlagen grasen und ca. zwei Meter über dem Gras wird Strom produziert. Gilt auch für Äcker, die landwirtschaftlich und zur Stromproduktionen genutzt werden können. Das kann sogar ein Vorteil sein, weil dann unter der Abschattung der Solarzellen sonnenlichtempfindliche Ackerprodukte angepflanzt werden könnten. Ein Besitzer einer Freiflächen-Fotovoltaikanlage muss nicht zwingend Bodenbesitzer sein. Er kann die Flächen für die Solarstromproduktion beispielsweise anmieten. Auch dieser auf den Äckern produzierte Strom ist Quartierstrom und wird über Energieaustauschplattformen vermarktet. Das ist die Idee der Energie- beziehungsweise Stromaustauschplattformen und eröffnet zudem neue Geldanlagemöglichkeiten.
Im Artikel der «WirtschaftRegional» werden noch weitere Motive angesprochen, die diskutiert werden müssen. Es sind nicht nur die Hausbesitzer, die über eine Stromaustauschplattform beziehungsweise Strombörse ihren selbst produzierten Strom vermarkten können. Solche Plattformen können und müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen.

Hans Frommelt, Gapont, Triesen

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung