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Leserbrief

Von verpassten Chancen (?)

Norman Wille, Auring 9, Vaduz | 21. November 2020

Wenn es, neben vielen Dingen, einen Punkt gibt, den ich in der Coronazeit nicht verstehe, dann das Verhalten von Ärzten, Klinikleitern und Pflegefachleuten. Ich kann zum einen das wiedergeben, was ich aus den Medien erfahre. Zum anderen kenne ich die Sicht des Patienten aus eigener Erfahrung mehr als gut. In den vergangenen 30 Jahren gab es kaum ein Jahr, in dem ich nicht ein Spital von innen gesehen habe. Und dabei ist mir der ungeheure, zum Teil schon groteske Sparzwang natürlich nicht entgangen.
Zuletzt hat es gar derartige Blüten getrieben, dass ich nun die Ohrstöpsel gegen das obligate Schnarchen des Zimmergenossen ins Spital mitbringe. Auf meine kürzliche Nachfrage beim Krankenhauspersonal ist mir mitgeteilt worden, dass «Oropax» aus Kostengründen gestrichen worden seien. Meine letzte OP hat mehrere Zehntausend Franken gekostet. «Oropax», die mir eine gute Nachtruhe beschert hätten, waren aber bei einem Preis von 45 Rappen pro Nacht zu teuer. Es ist einfach nur grotesk.
Nun, was verstehe ich nicht? Ich verstehe nicht, dass vor allem Ärzte und die Klinikleiter, letztere hätten es in der Hand, der Politik derart die Mauer machen, und die katastrophalen Versäumnisse und den überbordenden Sparzwang in den Medizin auch noch unterstützen. Warum gibt es zu wenig Pflegekräfte? Warum gibt es zu wenig (Intensiv-)Betten in den Krankenhäusern. Warum krankt das Gesundheitswesen an allen Ecken und Kanten? Nichts davon hört man. Jetzt, wo die Politik, nach jahrelangem Kaputtsparen des Gesundheitswesens, mit dem Rücken zur Wand steht.
Jetzt ist es Zeit. Nicht, um zu bitten. Nicht, um Forderungen zu stellen. Jetzt ist es Zeit, von der Politik die schriftlichen Zusagen einzuholen, dass Geld und Personal bereit gestellt wird. Und zwar sofort. Wir haben uns alle schon mehr als gewundert, wie schnell die Politik Geld locker machen kann, wenn die Richtigen anklopfen. Nicht die Zustände beklagen. Verträge und Zusicherungen unterschreiben lassen. Es ist Zeit. Nach der Coronakrise? Ich verweise auf ein Zitat des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Adenauer: «Meine Herren, was geht mich mein törichtes Geschwätz von gestern an.» Mehr hat das Gesundheitswesen – nach der Coronazeit – bestimmt nicht zu erwarten.

Norman Wille, Auring 9, Vaduz

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