Leserbrief

S-Bahn-Abstimmung schon vergessen?

Martin Büchel, Poliweg 6, Ruggell | 21. November 2020

«Es war einmal», so fangen alle Märchen an. Und: «Schon die alten Ägypter», so hört das Märchen wieder auf. Also: Es war einmal der schlaue Plan, das Ländchen Liechtenstein krepiere und verdurste ohne Bahn. Und so haben sich alle Mächtigen, die wir in unseren Reihen haben in die Riemen gelegt. Die Regierung, der Landtag, die Gemeinden, alle auch noch so erfolgreich und auch erfolglosen Unternehmer des Landes. Ja sogar unser Staatsoberhaupt wollte partout mit dem Züglein herumfahren. Aber schon die alten Ägypter wussten, dass man unseren Fürsten, gejagt von einer Heerschar Paparazzi, wohl eher selten mit einem Billett in der Hand beim Bahnhof Nendeln hätte he- rumlungern sehen können.
Aber lassen wir die bittersüssen Märchenerzählungen und betrachten die Fakten: Es wurde nach der Abstimmung schnell klar, dass dem Projekt ein Plan B vollständig fehlte. Jeder erfolgreiche Unternehmer geht ein neues Geschäft immer mit einem durchdachten Plan, der Gewissheit auf Rendite und einer zwingend logischen Ausweichstrategie an.
Gut, von der Politik im prallen und risikofreien Sold der Steuerzahler ist das nicht zu erwarten. Aber all die Unternehmer, die sich mit Foto in den Zeitungen für diese Bahn einsetzten und behaupteten, dass das Land ohne die Lokomotiven der ÖBB bald von der Bildfläche verschwunden sein wird, müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie in ihrem eigenen Unternehmen auch so handeln würden. Und sie sollten, Herrgott noch mal, nun endlich Rede und Antwort stehen, warum sie mit fremdem Geld so verantwortungslos umgegangen wären und es geradezu zum Fenster hinausgeworfen hätten? Zu behaupten, einzig und alleine mit einem Schienenstrang, der auch noch den Österreichern gehört und unser Land kaum tangiert, wäre unsere Zukunft enkeltauglich und gesichert, war schon oberpeinlich und man musste sich schämen für solch dummes Zeug.
Dass nun die ganze Sache einfach unter den Tisch gekehrt wird und keiner den Mut hat, zu der verkorksten Politik und Mobilitätsfrage und der Zukunft des Landes überhaupt, neue Lösungen anzugehen und einfach trotzig zu schweigen, ist noch viel peinlicher und noch beschämender. Und der Bürger tut gut daran, diese Mumie immer wieder auszugraben und danach zu fragen, wer ihre Eingeweide, sprich die Planungsmillionen, verquantet hat und was mit den bereits ausgelösten und zum Teil entwerteten Grundstücken passiert. Die gehen doch hoffentlich wieder an die rechtmässigen Besitzer zurück, oder?

Martin Büchel, Poliweg 6, Ruggell

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung