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Leserbrief

Solidarität

Claudio Rothmund, Am Sunnaberg 9b, Triesen | 14. November 2020

Ein Wort, das im aktuellen Umfeld häufig genannt wird. Was bedeutet denn eigentlich Solidarität? Bedeutet Solidarität doch, sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen. Solidarisch zu sein. Und dies unbedingt. Ohne Bedingungen, Verbundenheit und Zusammenhalt. Nach meiner Auffassung kennt Solidarität nicht nur eine Richtung. Nun, was passiert aus Solidarität, wenn sie nur eine Richtung kennt. Somit aus unbedingt bedingt wird? Egoismus, Uneinigkeit, Spaltung, Doppelmoral und Verletzung. Angst, Verzweif-lung, Wut und Trauer. Wenn ich meine Mitmenschen beobachte, vermisse ich Solidarität. Ich sehe Spaltung. Ich sehe Unsicherheit und Misstrauen.
Wir verzichten auf gemeinsame Stunden mit unseren Liebsten. Zeit, die uns niemand mehr zurückgibt. Zeit, die wir nicht wiedergutmachen können. Zeit, die uns und andere glücklich macht. Vermissen tue ich die Verhältnismässigkeit. Wir sollen akzeptieren, dass der Verzicht der gemeinsamen Zeit mit unseren Liebsten, aufgrund eines eventuell in Zukunft eintretenden Ereignisses, das für die allermeisten wahrscheinlich keinen Schaden nehmen wird, unvermeidbar ist. Andernfalls sind wir schuldig. Schuldig des Nicht-­solidarisch-Seins.
Wo ist die Solidarität, wenn sich Menschen dafür entscheiden, eben nicht auf die begrenzte Zeit mit ihren Liebsten zu verzichten, wenn Menschen entscheiden, ihr Leben nicht hinter einer Maske verbringen zu wollen, wenn Menschen sich für die Nähe und für Berührungen entscheiden, wenn Menschen verhindern wollen, dass ihre Liebsten vereinsamen, wenn Menschen nicht akzeptieren wollen, dass Existenzen zugrunde gehen. Wenn Menschen nicht akzeptieren, dass Kindern gesagt wird, dass sie ein Risiko darstellen, wenn Menschen sich entscheiden, dass die einseitige Solidarität mehr Leid schafft als Leid verhindert, wenn Menschen verhindern wollen, dass die Armut und der Hunger aufgrund der panikartigen Lockdowns stark steigen, wenn Menschen sich für Eigenverantwortung einsetzen, wenn Menschen sich entschieden haben, das Risiko in ein gesundes Verhältnis zu setzen, wenn Menschen Willkür nicht akzeptieren (vgl. Casino und Restaurant in Liechtenstein), wenn Menschen sich entscheiden, selber zu denken und nicht blind zu folgen, wenn Menschen sich entscheiden, dass es keinen Sinn macht, mehr Angst vor Repressalien zu haben, als vor der Krankheit selbst, wenn Menschen akzeptieren, dass der Tod zum Leben gehört, wenn Menschen sich dafür entscheiden, Mensch zu sein.
Wo ist die Solidarität für diese Menschen?

Claudio Rothmund, Am Sunnaberg 9b, Triesen

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