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Leserbrief

Die Medienschaukel

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 31. Oktober 2020

Neulich schüttete eine junge Journalistin in der Zeitung ihren Unmut über die geplante Tunnelspinne in Feldkirch aus und dachte sich wohl, in einem zeitungseigenen Kommentar gibt es keine Schranken. Sie moniert, Feldkirch habe die Stadteinfahrt Süd sinnlos gross gebaut und vermutet, dies diene einzig der Tunnelspinne, welcher sie wohl sehr abgeneigt gegenübersteht. Vorarlberg liess verlauten, dass das Projekt wegen der Finanzen etwas nach hinten geschoben würde, worin die Journalistin ihre Chance wittert, zuschlagen zu können. Und das tut sie, und wie bösartig. Das Loch in der Voradler Kasse wäre die Folge von Corona und damit die Tunnelspinne noch lange nicht gebaut würde, wünscht sie den Nachbarn, dass Corona noch lange wüten sollte. Diese junge Journalistin lechzt also nach vielen Toten beim Nachbarn, damit die Spinne nicht gebaut wird? Einmal habe ich gelesen, Journalismus wäre ein Dreckgeschäft. Nun weiss ich es sogar. In der «Liewo» liess neulich eine Schreiberin die Katze auch aus dem Sack, indem sie meinte: In Sachen Corona müsse man dem Bürger die Verantwortung wegnehmen, weil bei ihm wäre sie fehl am Platze. Nicht schlecht, aber machen sie die Rechnung nie ohne den Wirt. Dann meldete sich ein freier Journalist in einem Leserbrief und schrieb sinngemäss, man solle nur jenen Zeitungen etwas glauben, die auch etwas kosten und endet sein Pamphlet mit: Schwarz–Weiss-Muster führen zu Spaltungen, was wir uns jetzt nicht erlauben könnten. Führt uns so vor Augen, dass es nur eine einzige Meinung, nämlich die der staatlich subventionierten Medien, zu geben habe. Über Gratiszeitungen weiss er zu berichten: Die meisten Schweizer würden ein Gratisblatt lesen, aber eine Arbeitsleistung zum Nulltarif könne keine Qualität sein. Der gute Mann spricht demnach seinen Landsleuten den Intellekt ab, Zeitungen wie etwa «20 Minuten» richtig interpretieren zu können. «Wer keinen Gedanken hat und ihn dennoch niederschreibt, ist ein Journalist», meint Alois Rummel dazu. Und ein neuerer Leserbrief als eine Replik auf einen Mann, der sich für den vernünftigen Umgang mit dem Corona-Wahn einsetzt, empfiehlt jenem, sich wählen zu lassen, um dann als Gewählter alles besser zu machen. Ein wirres Totschlagargument, denn alle können einfach nicht in den Landtag und werden Regierungschefs. Aber wenn jene, die der Wählergunst zum Opfer fielen, in der Ziegelhütte das dumme Volk draussen nicht vollständig vergessen wie gewohnt, wird das ein gewaltiger Schritt nach vorne.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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