Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Schon vor 17 Jahren verstaatlicht worden

Guido Meier, Im Quäderle 16, Vaduz | 21. Oktober 2020

Ich bin von Zu Hause aus ein «Schwarzer» und habe mit Interesse die fünf Kommentare in der «Liewo» vom 18. Oktober 2020 zum Thema Verstaatlichung der Bergbahnen Malbun (BBM) gelesen.
Wenn ich annehmen darf, dass die Meinungen von Alexander Batliner und Frank Konrad in etwa jene ihrer Parteien spiegeln, so fürchte ich, dass die Bürgerpartei und ihre heutige Schwesterpartei, die «­Roten», noch nicht die richtigen Schlüsse aus dem Abstimmungs­fiasko des 30. August 2020 gezogen haben: nämlich, dass es auch beim Thema BBM um Grundsätzliches geht, unsere Berglandschaft, unsere Natur, unseren Verbrauch derselben und wer dafür bezahlt.
Alexander muss ich fragen: Was heisst denn «systemrelevant für unser Berggebiet»? Welches «System» ist hier gemeint und haben wir uns da offenbar geschaffen? Das «System Malbun» als repräsentativ für unser Berggebiet?
Frank muss ich fragen: Nur weil es «konsequent» ist, nach den ersten 26 Millionen weitere staatliche Millionen hineinzubuttern, ist es dann auch schon «richtig»? Voraussetzungen, Betrachtungsweisen, Wertungen können sich in 17 Jahren auch ändern.
Und dann weiter: Was heisst hier jetzt noch «Verstaatlichung»? Die BBM wurden doch schon vor 17 Jahren verstaatlicht! Wenn ich 70-prozentiger Aktionär einer AG bin, dann gehört die AG praktisch mir, und ich trage die Hauptlast und die Hauptverantwortung. Also, es geht doch jetzt nur noch darum, die privaten Minderheitsaktionäre mit Staatshilfe aus ihrem Dilemma herauszuretten. Und ich gehe davon aus, dass die einzige simple Transaktion dieser «Verstaatlichung» nur noch darin bestehen kann, dass die privaten Aktionäre ihre Aktien dem Land und den Gemeinden schenken, und diese sie wohl oder übel annehmen (müssen) – und schauen, was sie damit machen.
Ja, und unser «Berggebiet»! Wenn Malbun der Exponent und Repräsentant unseres Berggebiets ist, so ist das gar keine gute Vorgabe. Im Malbun grasen (zu viele) heilige Kühe, die durch Tabus geschützt sind, nicht nur die BBM und die Park­garage und das Jufa. Da lobe ich mir den (leider fruchtlosen) Vorstoss des «Bärger» Vorstehers, der diejenigen für die kostspielige und wenig bedarfsgerechte Infrastruktur wenigstens etwas zur Kasse bitten will, die die Landschaft mit ihren Ferienhäusern und -wohnungen im Übermass brauchen und verbrauchen und das noch gratis dazu. Auch mir «gehört» die Landschaft Malbuntal, obwohl ich dort kein Häuschen, kein Haus und auch kein grosszügiges Chalet besitze. Warum muss ich dann auch noch mit meinen Steuern zahlen, damit einige wenige diese an sich schöne Naturlandschaft für nur einige Wochen im Jahr nutzen und im Übermass das ganze Jahr hindurch verbrauchen können, und warum muss ich nur so nebenbei zusehen, wie Murmeltiere abgeschossen werden (auch mit bezahlten staatlichen Interventionen?), damit sie nicht die Türvorleger der Chalets anfressen, die vor ihre Bauten hingestellt wurden? Doch Geld ist eines, unwiederbringlicher, staatlich geförderter, übermässiger Landschaftsverbrauch noch ganz etwas anderes!
Da wünsche ich mir, dass endlich auch unsere beiden Grossparteien diese brennenden Fragen grundsätzlicher Natur anzugehen wagen, anstatt sich in hektischen Diskussionen über Seitenaspekte, Einzelinteressen und Notfinanzierungen zu erschöpfen.

Guido Meier, Im Quäderle 16, Vaduz

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter