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Leserbrief

Geschwätz von gestern

Georg Kieber, Binzastrasse 6, Mauren | 19. Oktober 2020

Wurde rund um die Finanzierung der Bergbahnen Malbun (BBM)-Jufa Hotel seit Langem irreführend informiert? Es fängt an mit dem Begriff «Darlehen», das in Höhe von 1,5 Mio Franken fliessen muss, um die BBM am Leben zu erhalten. Niemand würde sich selbst belügen und die Nothilfe für den mittellosen Nachbarn als «Darlehen» bezeichnen. Nach der 26-Millionen-Franken-Sanierung im Jahr 2006 durch das Land (48 % Aktien) und die Gemeinden (24 %) wollte das Land seine Aktien den Gemeinden schenken. Diese aber lehnten das Geschenk ab, denn die Frage der finanziellen Mitverantwortung der Aktionäre lag auf dem Tisch und wurde 2015 auch im Landtag thematisiert. Der zuständige Wirtschaftsminister winkte ab: «Selbst bei einer allfälligen Schieflage der Bergbahnen besteht keine Nachschusspflicht der Aktionäre.» Damit war die Frage nach der natürlich gegebenen finanziellen Mitverantwortung elegant umschifft.
Die BBM schrieben jedes Jahr einen Verlust zwischen 500 000 und 1 Million Franken. Also schlugen sie den Aktionären vor: Wir bauen ein Jufa-Hotel für 13,5 Mio Franken, finanzieren es ausschliesslich mit zu verzinsenden Schulden, verzichten auf Gewinn am Hotel, denn wir planen Zusatzeinnahmen von 300 000 Franken jährlich durch den Verkauf von Liftkarten an die neuen Hotelgäste. Diese millionenschwere Neuverschuldung eines Staatsbetriebes machte den Wirtschaftsminister nicht stutzig, er stimmte ihr zu und lobte, mit dem Bau des Jufa sei «Grossartiges geleistet» worden. Dass sich Land und Gemeinden als Hauptaktionäre nun auch als Hoteliers betätigen, kam nicht überall gut an. Doch der Abgeordnete Thomas Lageder hatte auch darauf die Antwort: Durch den Kauf einer Aktie von Novartis werde man nicht zum Apotheker. Und ob das Projekt rentabel sei, «könne den Bürgerinnen und Bürgern egal sein», denn es entstünden dem Land keine Kosten.
Die Tochtergesellschaft der BBM, die das Jufa-Hotel hält, ist seit 2016 überschuldet. Der aufgelaufene Verlust der BBM beträgt 13,3 Mio Franken, der Jahresverlust 2019 ist mit 1,2 Mio Franken ausgewiesen, denn nun muss die BBM auch die Abschreibungen am Hotel verbuchen. Diese Zahlen vor Augen erklärte der VR-Präsident an der GV 2019: «Die Bergbahnen sind derzeit kein Sanierungsfall.» Doch wer rettet das Unternehmen BBM-Jufa, wenn es trotzdem scheitert? Dazu der Abgeordnete Thomas Lageder: «Niemand rettet das Unternehmen! Konkurs anmelden, Konkursmasse verscherbeln, Affe tot, Klappe zu.» Alles Geschwätz von gestern.

Georg Kieber,
Binzastrasse 6, Mauren

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