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Leserbrief

Liebe Boomer

Noah Büchel, Floraweg 11, Vaduz | 16. Oktober 2020

Die gestrigen Leserbriefe zeugen von den Problemen, die ich in meinem Leserbrief vom 14. Oktober aufgeführt habe. Anstatt mich auf dieses subjektive und herablassende Niveau zu begeben, möchte ich die Schlüsselbotschaften meines Briefes noch einmal hervorheben.
Das Argument, dass Veränderung in allen Zeitperioden passiert, stimmt an sich, jedoch muss man auch die zwei Variablen Geschwindigkeit und Umfang in Betracht ziehen. Um dies im heutigen Kontext zu verstehen, müssen wir bei dem globalen Bevölkerungswachstum anfangen. Wir sind innerhalb von einem Jahrhundert von 1 Milliarde Menschen auf 7,7 Milliarden (ourworldindata.org) gewachsen und dieses Wachstum steigt durch bessere Lebensbedingungen und die dadurch resultierende längere Lebenserwartung und höhere Population immer noch stetig an und es wird erwartet, dass wir in 20 Jahren eine Bevölkerungszahl von 9,7 Milliarden erreichen (UN World Population Prospects 2019). Weiterhin sind globale Carbon-Emissionen seit 1950 um mehr als das doppelte angestiegen, eine Zahl, die unvergleichbar hoch ist mit Eiszeiten und Hitzeperioden seit dem Entstehen des Planeten. Es ist bewiesen, dass diese hohe Zahl mit 95 Prozent Sicherheit auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist. Weiterhin waren die vergangenen sechs Jahre die wärmsten Jahre in der Geschichte des Planeten (climate.nasa.gov). Ich denke, diese Problembeispiele (und viele weitere; soziale Ungleichheiten, Armutsschere etc.) sprechen dafür, dass die bisherigen Systemmethoden offensichtlich nicht effektiv funktioniert haben und schon gar nicht angemessen sind, um moderne, unbekannte Probleme zu lösen. Während das System für Menschen in unseren Breitengraden vielleicht funktioniert und die aufgeführten Probleme uns nicht direkt beeinflussen (obwohl sie das in Zukunft höchstwahrscheinlich auch werden), dürfen wir uns nicht in die Illusion führen lassen, dass dies eine universelle Erfahrung ist. Die Schweiz liegt auf einem globalen Vergleichsindex des Lebensstandards auf Platz 2 (UN Quality of Life Report), unsere Privilegien und unser Lebensstandard sind also vielmehr eine Ausnahme als die globale Norm.
Zusammenfassend möchte ich abschliessen: Veränderung hat mehrere Dimensionen und die momentane Veränderung muss mehr Faktoren als Erfahrung und Expertise integrieren und der wichtigste Faktor in diesem Prozess sind Menschen mit verschiedenen demografischen Attributen.

Noah Büchel, Floraweg 11, Vaduz

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