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Leserbrief

Einen Bärendienst ...

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan | 15. Oktober 2020

... dürfte Herr Noah Büchel mit seinem Leserbrief «Kein Schweigen ist fruchtbarer als Zuhören» («Volksblatt», 14. Oktober, Seite 4) dem Projekt «Wahlalter 16» erwiesen haben. Sein Werk zeigt mit trauriger Eindrücklichkeit, weshalb man Sechzehnjährige (noch) nicht sollte wählen lassen. Mit dem Titel eines Buches lässt sich der Inhalt bequem zusammenfassen: Die verhängnisvolle Anmassung.
Es gibt bei Herrn Büchel nur wenige Sätze, denen ich nicht widersprechen würde. «Wir befinden uns in einer speziellen Zeit. In einer Zeit der Veränderung und des Umschlages», schreibt er beispielsweise ganz zum Anfang. Was eine Zeit des «Umschlages» sein soll, weiss ich nicht. Ansonsten sagt mir aber meine, nach Ansicht von Herrn Büchel, «extrem (!) [Hervorhebung des Verfassers] veraltete und kontraproduktive» Erfahrung , dass die Menschheit wohl eher selten in einer nicht-speziellen Zeit gelebte hat und die Veränderung dabei wohl ebenfalls zu einer der wenigen Konstanten zu zählen war und ist. Und immer geht es weg von «etablierten Dogmen und Denkweisen in ein Zeitalter der konstanten Entwicklung», wie Herr Büchel schreibt. Und auch die von ihm neu entdeckte «Ungewissheit und Undurchsichtigkeit» scheinen mir altbekannte Begleiter des täglichen Lebens.
Überhaupt, bei Herrn Büchel wimmelt es nur so von Allgemeinplätzen und seine vermeintlichen Visionen versanden ausnahmslos als Binsenweisheiten. «Digitalisierung», «Globalisierung», «Klimawandel», «sozioökonomische Dynamiken» und so weiter und so fort. Alles ist da. Kam man vor 20 Jahren noch damit klar, «sich in Entscheidungsprozessen auf Erfahrung und historische Ereignisse zu verlassen», wie Herr Büchel zu berichten weiss , als sei er damals schon an vorderster Front dabei gewesen, braucht es heute «viel Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Offenheit» , wie Herr Büchel zu berichten weiss, als sei er heute schon einmal an vorderster Front dabei gewesen.
Trotzdem, auch das mit dem «nicht nur das System, sondern auch die Zukunft aktiv zu gestalten und sich von veralteten Institutionen zu trennen und (…) an etliche Veränderungsprozesse flexibel anzupassen» hatten wir leider schon, Herr Büchel. Zig Mal alleine in den vergangenen gut einhundert Jahren. Im Westen nichts Neues. Auch hier illustriert es ein Buchtitel besten.
Es war alles schon da, Herr Büchel. Das Überwinden von «etablierten Dogmen und Denkweisen» und alles, was Sie sonst noch euphorisch einfordern. Ein «Zeitalter der konstanten Entwicklung»? Das Tausendjährige Reich! Abgehakt! Hatten wir! Leider haben Sie den Berichten darüber offensichtlich nicht schweigend zugehört.

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan

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