Leserbrief

Sieg der Krautstampfer

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 15. Oktober 2020

Unter dem sinnigen Titel: «Kein Schweigen ist furchtbarer als Zuhören» schrieb Noah Büchel einen Leserbrief besonderer Güte, der so stehen gelassen werden darf, da er ja ohnehin von selber umfällt. Er lässt uns wissen, dass sich die Welt in einem rasanten, noch nie dagewesenen Tempo verändert und nennt globale Prozesse, welche Funktion die auch immer haben mögen, die gleichbedeutende Globalisierung, massive wirtschaftliche Veränderungen – die gab es schon immer, aber auch gleich bedeutend, soziale Unruhen, – die gab es schon immer und natürlich den Klimawandel, den es aber auch schon immer gab, um in einer Tirade den Alten zu erklären, dass sie und ihre Erfahrungen für die Zukunft eher konterproduktiv wären. Im Wechsel zu einer neuen Welt wären die Jungen mit ihrem innovativen Denken die neuen Macher, währendem er die Alten als Störfaktoren entlarvt, denen Flexibilität und Offenheit gegenüber Neuem fehlen würden.
Den König aller Waldrappen schiesst er ab, indem er feststellt, dass die Homogenisierung einer Wählerschaft noch nie zu differenzierten und demokratischen politischen Prozessen beigetragen habe. Das wird wohl dann geschehen, wenn sich die Jungen homogenisieren und wieder einmal den Muff von tausend Jahren aus den Talaren treiben. Die letzte Treibjagd im 68er-Jahr war ja der Rohrkrepierer schlechthin. Aber danke für so viel Obst. Es ist nicht anzunehmen, dass Äpfel und Birnen zum Beispiel in Mostindien, womit man bei diesen Früchten den sehr erfahrenen Kanton Thurgau meint, weiter so schön gedeihen, wenn man die wissenden Alten zu Hause einsperrt, und die Jungen wilden und halbwilden Neudenker fangen an die Apfelbäume zu veredeln. Das Fleischkäsbrötli schmeckt besonders gut, wenn am Fleischkutter ein erfahrender Metzger steht, der weiss, wo und wann zu würzen ist und welches Fleisch sich am besten eignet. Wenn ich weiss, dass in der Metzgerei die «Generation Hosenschritt am Knie unten» das Brät knetet, dann esse ich dann doch lieber einen Apfel.
Im Bett liege ich gerne, weil ich weiss, dass eine erfahrene Gans und ein wissender Bettzeugmacher mein Kissen mit Daunen wohlig gefüllt haben. Aber wenn wir schon im Bett sind; Studien belegen, dass die Millennials sexuell weit weniger aktiv sind, wie das bei den Alten noch Mode war. Hinzukommt noch eine dramatische Unfruchtbarkeit bei eben jenen. Es ist als gut möglich, dass die Jungen noch vor ihrer eigenen flexiblen Homogenisierung ausgestorben sind, bevor sie sich beweisen konnten.

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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