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Leserbrief

Kein Schweigen ist fruchtbarer als Zuhören

Noah Büchel, Floraweg 11, Vaduz | 14. Oktober 2020

Wir befinden uns in einer speziellen Zeit. In einer Zeit der Veränderung und des Umschlages. Wir bewegen uns weg von etablierten Dogmas und Denkweisen in ein Zeitalter der konstanten Entwicklung, aber auch in eine Welt der Ungewissheit und Undurchsichtigkeit. Globale Prozesse wie die Digitalisierung, Globalisierung, massive wirtschaftliche Veränderungen, soziale Unruhen und Klimawandel beschleunigen sozioökonomische Dynamiken um ein Vielfaches und erheben diese Verhältnisse sowie politische Prozesse damit auf ein beispielloses Niveau, das es in der Geschichte der Menschheit noch nie gegeben hat. Dieser Wechsel erfordert viel Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Offenheit. Während es vor 20 Jahren gereicht hat, sich in Entscheidungsprozessen auf Erfahrungen und historische Ereignisse zu verlassen, leben wir nun in einem Zeitalter der exponentiell steigenden Veränderung, in dem wir innovative Denkweisen und Ideen fördern sollten. Weiterhin ist das Messen vom Wert einer Person anhand deren Erfahrung extrem veraltet und kontraproduktiv. Dementsprechend sind die wichtigsten Akteurere und Akteurinnen innerhalb diese Wechsels die junge Generation. Ich sehe unsere Unerfahrenheit mit dem System viel mehr als eine Chance als eine Hürde. Es ist eine Möglichkeit, nicht nur das System, sondern auch die Zukunft aktiv zu gestalten und sich von veralteten Institutionen zu trennen und sich somit an etliche Veränderungsprozesse flexibel anzupassen. Ich persönlich denke, diese Flexibilität und Offenheit gegenüber neuem fehlt zum Teil in der älteren Wählergruppe, weshalb ich es als wichtig erachte, dies auszugleichen, indem wir das Wahlalter auf 16 senken und somit die Jugend und ihre Beiträge zur Gesellschaft anerkennen und respektieren. Zudem hat die Homogenisierung einer Wählerschaft noch nie zu differenzierten und demokratischen politischen Prozessen beigetragen, weshalb wir Diversity und Intersektionalität aktiv fördern sollten. Abschliessend möchte ich noch anfügen, dass subjektive vorurteilhafte Annahmen und Einschätzungen über die politische Orientierung oder Handykonsum der Jugendlichen nicht konstruktiv zur Diskussion beitragen und die Generationssegregation eher fördern. In diesem Sinn, kein Schweigen ist fruchtbarer als Zuhören.

Noah Büchel, Floraweg 11, Vaduz

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