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Leserbrief

Skript für ein Trauerspiel

Andrea Buchmann Kühnis, Schalunstrasse 9, Vaduz | 9. Oktober 2020

Akt 1. Das Versprechen

Der Wirt und Besitzer des vielgeliebten Landgasthofes Mühle verkauft der Gemeinde Vaduz die Liegenschaft. Dies im Vertrauen auf die Zusage, dass das Restaurant als solches erhalten und weitergeführt werde.

Akt 2. Der Wahlkampf

Als die Wahlen stattfinden, gewinnen einige Gemeinderatskandidatinnen und Gemeinderatskandidaten Stimmen mit folgenden Aussagen: Wählt uns. Wir unterstützen und fördern die Quartiere, Kulturelles und die Natur in Vaduz.

Akt 3. Der Stillstand

Unterdessen wird es ruhig im und um den Landgasthof. Vaduzer Bewohnerinnen und Bewohnern fragen sich jedoch, wann die Mühle endlich saniert wird.

Akt 4. Der Informationsanlass

Zahlreiche Interessierte nehmen die Einladung des Gemeinderats zum Mühle-Informationsanlass dankbar an. Sie hören zu und nutzen die Gelegenheit, sich aktiv mit Vorschlägen sowie Einwänden mündlich und schriftlich bei der Mühle-Kommission einzubringen. Da die meisten Ideen sich ähneln oder ergänzen, keimt die Hoffnung auf, dass die Zukunft der Mühle mit ihrem Landgasthof- Kulturgut, dem historischen Mahlwerk inklusive Steinen und den nun eingebrachten Vorschlägen einen positiven Weg geht.

Akt 5. Der vernichtende Schlag

Nach einigen Wochen verkündet die Gemeinde Vaduz den Beschluss, den vielgeliebten Landgasthof abzureissen. Als Trostpflaster soll die vorübergehende Brachstelle nicht «summen», sondern in einen Wasserpark verwandelt werden. Direkt an der vielbefahrenen Landstrasse. Neben den bereits bestehenden und das Quartier umrahmenden Rüfegewässern. Anstatt bestehende Grünflächen des Quartiers zu fördern. Es fällt kein Wort mehr über die Vorschläge der Informationsanlassbesucherinnen und -besucher. Diese Nachricht deprimiert und lähmt jede Gegenwehr.

Akt 6. Eine Frau mit Herz

Mutig steht eine Frau aus dem Mühleholz- Quartier gegen die Schockstarre auf und beginnt, für die Liegenschaft zu kämpfen. Politisches Neuland betretend ergreift sie das Referendum und geht an die Öffentlichkeit. Ihre Aktion rüttelt auf und gibt Hoffnung. Es bleiben anstelle der ihr zuerst zugesagten vier Wochen aber doch nur zwei, um die Unterschriften zu sammeln.

Akt 7: Das Referendum

Die erforderte Anzahl Unterschriften wird in kürzester Zeit zusammengetragen! Leider bremsen ungültige Stimmen die aufkeimende Euphorie und so kommt das Referendum nicht zustande. Wieder schleicht sich das traurige Gefühl ein, als Quartier vergessen zu werden. Die Referendum-Kämpferin hofft trotzdem, dass der Gemeinderat den Bedarf der Mühlebefürworterinnen und -befürworter berücksichtigt.

Akt 8: Einblick ins Gemeindeblatt

Als im «Einblick» der Artikel über die Zukunft des Landgasthofs Mühle erscheint, wird bei vielen auch diese Hoffnung begraben.

Akt 9: Die Respektfrage

Es kommt das Gefühl auf, dass weder das Versprechen noch die Vorschläge und Bedürfnisse respektiert worden sind. Sollte das Ganze nicht noch einmal überprüft werden? Dieses Trauerspiel verlangt nach Klärung, nach einem Rückkommensantrag. Aber haben die Gemeinderäte tatsächlich den Mut dazu?

Andrea Buchmann Kühnis, Schalunstrasse 9, Vaduz

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