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Leserbrief

Zahlenterror

Carmen Sprenger-Lampert, Landstrasse 333, Triesen | 8. Oktober 2020

Aktuell bestimmen Coronatestresultate schwerwiegend das Leben in den wohlhabenden Ländern dieser Erde. Die steigende Zahl an Neuinfektionen schaltet Warnsysteme auf Rot, Länder werden auf Risikolisten gesetzt usw. Die Art, wie mit diesen Zahlen umgegangen wird, weckt mittlerweile den Eindruck, die Menschen in Angst und Schrecken versetzen zu wollen. Hingegen erachte ich das Interesse nach der Wahrheitsfindung als gering. So gelten in verschiedenen Ländern unterschiedliche Coronaregeln/ -kriterien, zum Beispiel bei der Definition eines «Risikolandes». In der Schweiz wird ein Land auf die Risikoliste gesetzt, wenn in den vergangenen 14 Tagen mehr als 60 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner erfolgten, diese Liste gilt auch für Liechtenstein. In Deutschland erfolgt das bei mehr als 50 Neuinfizierten pro 100 000 Einwohner in den letzten sieben Tagen. In Österreich gibt es hierfür keine konkreten Kennzahlen. Wird ein Deutscher anders krank als ein Schweizer, Österreicher oder Liechtensteiner? Eines haben diese variierenden Vorgehensweisen gemeinsam – die Anzahl an Neuinfektionen gilt als zentrales Kriterium. Wer definiert eigentlich die Testanzahl? Mehr Tests liefern automatisch mehr Resultate. Weshalb ist der Gesundheitszustand der positiv Getesteten bei der Definition von Restriktionen nebensächlich? Infiziert sein bedeutet nämlich nicht automatisch krank sein! Bei einigen Menschen verläuft eine Infektion symptomlos. Ohne Test hätten diese Personen davon nie erfahren. Auch bedeutet infiziert sein nicht automatisch ansteckend. Entsprechende Erfahrungswerte existieren zwischenzeitlich. Eine sehr komplexe Sache, die man mit einfachen Zahlen zu regeln versucht. Es ist verheerend, ein solch fragwürdiges Zahlenspiel in einer globalen Krise als richtungsweisend anzuwenden. Wäre die Anzahl der Schwererkrankten, die Intensivpflege benötigen, ausschlaggebend, würde alles anders aussehen. Ein derartiges Chaos erlebte diese Welt wohl noch nie. Sind den verantwortlichen Personen die Folgen ihres Handels bewusst?

Carmen Sprenger-Lampert, Landstrasse 333, Triesen

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