Volksblatt Werbung
Leserbrief

Schlechte Gewinner

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 8. Oktober 2020

In seinem jüngsten Kommentar vom 5. Oktober auf Seite 9, komischerweise genau neben dem Bild der Erstkommunikanten aus Ruggell, befriedigt Daniel Bargetze im «Vaterland» seine Sehnsucht nach moralischer Überlegenheit aber zünftig. Sein Opfer: Harry Quaderer, den er als Schöpfer einer neuen Kategorie, nämlich jener des schlechten Gewinners diffamiert. Dabei suhlt er sich in der von ihm gelegten politischen Blutspur des Genannten, um aber gleich anzumerken, dass die gute alte Demokratie darin gründe, nach einer geschlagenen Schlacht wieder zusammenzusitzen und gemeinsam weiterzuarbeiten, und zwar in der grundlegenden demokratischen Vereinbarung, dass man, also er, der Bargetze selber, dem Gewinner der Schlacht mit ellenlangen Listen und Wortschöpfungen politisches Versagen hinterherwirft. Nun, es bereitet Kopfzerbrechen, den «Krach» von Harry Quaderer mit der VU, oder die Abspaltung der DpL von den Unabhängigen, die Bargezte ins Feld führt mit der S-Bahn in Einklang zu bringen. Aber mit Gewalt und einem Vierkantholz lupft man natürlich auch die schwerste Geiss. Weiter berichtet Bargetze, dass Harry Quaderers jüngste «Suade» (Suade: ein grosser Wortschwall und Redefluss, der dem Ansprechpartner ein Thema angenehm machen soll), sich damit beschäftigt habe, die S-Bahn-Befürworter als Blender, Schaumschläger, die dem Volk das Fell über die Ohren ziehen würden, also als Betrüger darzustellen und schreibt weiter «Ja, die überzeugten Befürworter kassierten eine mächtige Klatsche. Doch wer an eine Sache glaubt, soll sich vehement dafür einsetzen.» Also ich persönlich und sicher auch die grosse Mehrheit der Liechtensteiner haben felsenfest daran geglaubt, dass dieses unausgereifte S-Bahn-Projekt ein grober Unsinn und die Dummheit schlechthin wäre und habe mich vehement dafür eingesetzt, dass der Stimmbürger wachsam bleibt. Habe ich mich also vervehemenzt und muss mich nun schämen? Ein fader Nachgeschmack zu dieser unseligen Bahnabstimmung wird für immer bleiben, auch wenn die Befürworter die Sache jetzt mit aller Gewalt unter den Tisch zu schweigen versuchen. Ein Halbstundentakt Feldkirch-Buchs ist mit dem Doppelgeleise in Nendeln sehr gut möglich, und man kann schon morgen damit beginnen. Ein Doppelspurausbau bis nach Tisis braucht das Züglein nicht, wohl aber der Güterverkehr. Dass man das dem Bürger mit allen Mitteln verheimlicht und der «Suade» zu neuer Blüte verholfen hat, ist zwar nicht direkt Betrug, rückt aber in seine Nähe.

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung