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Leserbrief

Transparenz sieht anders aus

Birgit Eberle-Schmid, Gärbistrasse 6, Triesenberg | 8. Oktober 2020

Am Samstag fand in Triesenberg das Dorfcafé statt. Stolz war ich, zum «Bäärgervolk» dazuzugehören, ein ganzer Saal voll interessierter Bürger, die alle ein gemeinsames Ziel haben: ein schönes und funktionelles Dorfzentrum. Bei der Bedürfnisabklärung vor drei Jahren war man sich einig: Wir wollen einen grösseren Laden, eine bessere Praxis für die Ärzte, die Physio soll besser zugänglich sein, wir wollen das Dorfzentrum beleben und zu einem schönen Treffpunkt machen. Die Bäärger sind stolz, Bäärger zu sein, wir sind sie, die freien Walser, unser Dialekt ist der Hammer und auf unser Walsermuseum sind wir stolz. So weit, so gut.
Aufgrund der Bedürfnisabklärung hatte der Gemeinderat einen Wettbewerb ausgeschrieben. Die Projektgruppe hat dasjenige Projekt ausgewählt, bei dem zwei Gebäude, darunter das Walsermuseum komplett abgerissen und durch ein riesiges Gebäude ersetzt werden, bei dem der Laden und die Parkplätze unterirdisch geplant sind. Die Alterswohnungen stehen direkt an der Strasse, die Carparkplätze sind inexistent. Die Kosten für dieses Projekt sind gigantisch.
Und was geschah im Dorfcafé? Über das Projekt wurde nicht gesprochen. Dafür wurden die Teilnehmer erneut gefragt, welche Bedürfnisse wir hätten. Ja Himmel nochmal, das wurde doch vor drei Jahren schon abgeklärt?! Das Projekt ist ausgesucht! Und zur Krönung des Ganzen, nachdem zwei Stunden lang erneut die Bedürfnisse abgeklärt wurden, wurde abgestimmt, ob wir das nicht vorgestellte Projekt denn nun befürworten? Haben die Leute wirklich über dieses Projekt abgestimmt? Oder war das Ja einfach eine Bestätigung, dass im Zentrum etwas gemacht werden muss?
Warum fehlt dem Gemeinderat der Mut, uns das Projekt mit seinen Vorteilen, aber eben auch seinen Konsequenzen an diesem Morgen zu zeigen? Die Möglichkeit, echte Kritik am Projekt zu üben, wie es zum Beispiel Klaus Schädler über Wochen versucht hat, wurde an diesem Vormittag tunlichst verhindert. Stattdessen wurde Klaus von einem Mitglied des Gemeinderats vorgängig lapidar und unbegründet als Lügner bezeichnet. Es bestand an diesem Morgen schlicht keine Möglichkeit zur Klärung von Kritik, weil die Anwesenden in Workshops mit Scheinfragen beschäftigt wurden.
Eventuell hätte der Gemeinderat ja den Rückhalt der Bevölkerung, und die «Bäärger» sind einverstanden mit der Abrisslösung unseres Juwels, dem Walsermuseum, mit einem Projekt, das unsere Finanzkraft bei Weitem übersteigt. Falls der Rückhalt bei der Abstimmung dann aber doch nicht da ist, wurde viel Geld in den Sand gesetzt, und wir Bäärger müssen noch viel länger warten auf unseren neuen Laden, die Arztpraxen, den gemütlichen Platz, um einen Kaffee zu trinken etc...


Birgit Eberle-Schmid, Gärbistrasse 6, Triesenberg

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