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Leserbrief

Junge und Demokratie

Roger Frick, Oberfeld 76, Triesen | 8. Oktober 2020

Im «Volksblatt» und «Vaterland» vom 7. Oktober 2020 wird ein Interview mit Samuel Schurte zum Wahlrecht ab 16 Jahren geführt. Die Ausführungen sind interessant und eine gute Basis, sich demokratisch mit dem Anliegen auseinanderzusetzen. Ich finde in einzelnen Aussagen eine Unterstellung gegenüber älteren Personen, aus seiner Optik bin ich mit 58 Jahren gewiss alt. Für mich ist das Wahlrecht mit 16 keine gute Sache, unter anderem stelle ich die folgenden Überlegungen in den Vordergrund:
1. Demokratie heisst, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen, zu akzeptieren, dass die eigene Meinung eben nicht deckungsgleich mit anderen ist. Man muss Kompromisse bilden. Wenn ich die jungen Leute der Klimademo anhöre, so scheint da eher Fundamentalismus als Demokratieverständnis vorzuherrschen. Es geht nicht mit Zwang. Leider. Es muss mehrheitsfähig werden, und das dauert. Auch wenn die Ideen grundsätzlich gut sind.
2. Junge Menschen werden eigentlich auch von Leuten, die «alt» sind, vertreten. Wir haben Kinder und bauen für sie auf. Wozu baue ich eine Existenz auf, wenn nicht für meine Kinder? Dass ich einmal gelebt habe, kann ich nur aufgrund der nächsten Generation beweisen.
3. Teenager haben nichts zu verlieren, sie haben ja nichts, ausser eine (gute) Ausbildung. Ihr Idealismus ist gratis, das ist bei uns Alten anders. Man kämpft mit Opportunitätskosten. Die Moral hat Übergewicht, dafür habe ich zu wenig Verständnis.
4. Den Jungen fehlt für mich ein ausreichendes soziales Verständnis, das ist wie das Erlernen der Geschichte noch in der Entwicklung. Die Zukunft ist genauso wichtig wie die Vergangenheit. Die Jungen tendieren dazu, die Geschichte auszublenden, was schlecht ist. Woher sonst kommen solche rabiaten Forderungen, Statuen oder was immer zu demontieren. Das ist unsere Geschichte, die will ich nicht korrigieren. Aber daraus lernen kann man immer, Gutes wie Schlechtes.
5. Ich glaube nicht, dass die Jugend wirklich das politische Wissen oder Interesse hätte, sich dauernd einzubringen. Ich denke, da kommt eher rasch eine Frustration im Diskurs auf.
6. Ganz allgemein tendieren Junge eher zu links-grün, tendieren zu Forderungen, die kaum eine breite Basis auf die Schnelle finden. Dazu fehlt mir der Sinn, das zu unterstützen.
7. Ich frage mich auch, ob die Teenager überhaupt ausreichend neutrale Informationen verarbeiten, um im demokratischen Prozess teilzunehmen. Vor lauter Handywut nehmen sie ja nicht einmal den Verkehr wahr. Kommuniziert man aber nur noch über Medien, wo Gleichgesinnte sich gegenseitig beklopfen, kommt die Selbstüberschätzung.
Das ein paar Gründe, weshalb ich mir meine Meinung gemacht habe. Meinungen dürfen richtig oder falsch sein, aber sie bestehen eben. In der Demokratie entscheidet dann die Mehrheit, wo man liegt.

Roger Frick, Oberfeld 76, Triesen

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