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Leserbrief

Räthische Bahn bis nach Schaan

Hans Frommelt, Gapont, Triesen | 5. Oktober 2020

Das Vaterland vom 21. August 2020 berichtete über das Scheitern einer Eisenbahnlinie von Landquart nach Schaan. Wie im Vaterland erwähnt, begannen die Planungen im Jahr 1903. Der damalige Direktor der Südostbahn hat im Jahre 1907, im Auftrag des Initiativ-Komitees und weiterer politischer Kreise ein Gutachten für den Bau einer Eisenbahn Schaan-Ragaz-Maienfeld-Landquart verfasst gehabt. Gemeint ist die Erweiterung der Rhätischen Bahnen (RhB) von Landquart bis Schaan. Es war damals ein eindeutiges Konkurrenzdenken, welches diesen Bau vereitelte. Er meinte in seinem Gutachten, dass eine RhB-Verbindung von Landquart nach Schaan technisch und finanziell gar nicht im Stande sein wird, der SBB Konkurrenz zu machen. Vor rund einem Monat wurde «90 Jahre Glacier Express gefeiert».
Die RhB schreibt: «Im Sommer 2020 werden es 90 Jahre her sein, als die damaligen Bahngesellschaften Rhätische Bahn, Furka-Oberalp Bahn und Brig-Visp-Zermatt Bahn den mutigen und visionären Entscheid fällten, ihre touristischen Regionen mit einem direkten Zug zu verbinden. Ein Entscheid, der die beispiellose Erfolgsgeschichte des Glacier Express einleitete.»
Dieser Entscheid war zweifellos Enkeltauglich und ist es noch heute, wo eine Teilstrecke sogar das Prädikat eines Weltkulturerbes erhalten hat.
Im Mittelland der Schweiz gibt es noch eine weitere Meterspurbahn, die von Luzern bis Montreux führt. Es wird immer wieder darüber diskutiert, das Meterspurbahntrasse vom Glacier Express mit der Meterspurbahn der Innerschweiz über einen Tunnel zu verbinden.
Wäre die Idee des damaligen Initiativkomitees für eine RhB bis Schaan realisiert worden, so würde der Glacier Express vielleicht bereits in Schaan starten. Dies wäre dann ein höchst starkes Bindeglied zwischen der Schweiz und Liechtenstein geworden. Von touristischen Erfolgen ganz zu schweigen.
Es braucht halt manchmal hundert Jahre, damit Ideen wieder zum Tragen kommen. Alle politischen Instanzen in der EU und der Schweiz setzen neuerdings sehr stark auf eine vermehrte Mobilität auf Schienen, auch bezüglich Warentransporten. Beträchtliche finanzielle Mittel werden in den Jahresbudgets verankert. Nach dem S-Bahn-Nein bzw. FL-A-CH-Nein sollte kein Stillstand entstehen. Neue Möglichkeiten müssen angesprochen werden. Warum nicht wieder die Idee einer RhB-Eisenbahnlinie von Landquart über Bad Ragaz nach Schaan oder noch weiter durch das Unterland, wie im Vaterlandbeitrag erwähnt. Solches hatten die Initianten der S-Bahn bzw. FL-A-CH von Feldkirch nach Buchs nie berücksichtigt, vielmehr als Variante sogar unterdrückt gehabt, wie der damalige Direktor der Südostbahn vor rund 120 Jahren.

Hans Frommelt,
Gapont, Triesen

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