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Leserbrief

Grob-, Mittel und Feinverteiler

Frommelt Hans, Gapont, Triesen | 3. August 2020

In den Pro-Stellungnahmen betreffend S-Bahn meint der Verkehrsclub Liechtenstein VCL, dass man unterscheiden muss zwischen Grobverteiler, Mittelverteiler und Feinverteiler.
Diese drei Begriffe findet man in der Fachliteratur, Lehrbücher, Studien zu Verkehrsfragen, etc. nirgends, nur beim VCL und seinen Mitstreitern. Eine Diskussion über Verkehrsfragen ist nicht möglich, wenn die Diskussionsteilnehmer sich nicht an die Fachbegriffe für eine Sachdarstellung halten. Beispielsweise ist der Begriff: «Mittelverteiler» ein Wort, das in der Finanzsprache verankert ist, aber nicht bei Diskussionen über Verkehrs- bzw. Mobilitätsfragen.
Das gilt auch für die Bildsprache. Vergangene Tage untermalte das Vaterland einen Text bezüglich Güterzüge durch Liechtenstein mit dem Foto einer komplett einheitlichen Güterwagengruppe, fachsprachlich auch «Ganzzug» genannt. Das ist ein Güterzug, der nonstop von einem einzelnen Versandbahnhof auf direktem Wege zum Bestimmungsbahnhof fährt.
Für solche Ganzzüge sind in Europa die letzten Jahrzehnte, von Spanien bis China, von den Skandinavischen Ländern bis Griechenland, sogenannte Ganzzüge-Korridore eingerichtet worden.
Für die Schweiz sind zwei Korridore ausgeschieden, und zwar von Basel über Chiasso bis Genua. Die österreichischen Korridore liegen östlich von Linz und werden uns ebenfalls nicht mit einem Ganzzug-Güterverkehr belasten, wie das Vaterland uns da aufzeigen möchte.
Belasten wird uns der Güter-Einzelwagenverkehr zwischen den Ostländern, Österreich, der Schweiz und eventuell Deutschland.
Beim Einzelwagenverkehr werden einzelne Güterwagen irgendwo in Europa bei einem Gleisanschluss beladen und dann zu einem Zielbahnhof zur Entladung geführt.
Wichtige Handelspartner für Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, etc. sind unter anderem die Schweiz und Frankreich. Österreich entwickelt sich zudem zu einer eisenbahnlogistischen Drehscheibe zwischen Westeuropa, Osteuropa und Asien. Die Arlberglinie wird folglich noch mehr ausgereizt werden. Der weitere Ausbau einspuriger Teilstrecken zwischen Innsbruck und Feldkirch zur Doppelspur sind in Planung. Warum plant man bei uns keine durchgehende Doppelspur bis Buchs? Die Frage bleibt wohl noch lange nicht beantwortet.
In der Schweiz gibt es sechs wichtige Standorte für den Güterverkehr. Buchs gehört dazu und ist zudem ein Grenzbahnhof zu Österreich und ein Haupt-Hub für Getränketransporte auf der Schiene. Auch der Einzelwagen-Güterverkehr auf der Schiene wird zunehmen, weil die Politik in allen europäischen Ländern dies fordert.
Es wird nun doch wohl eher so sein, dass noch mehr Güterzüge durch den Arlberg und durch unser Land fahren. Leider nicht mit den eher leisen Ganz-Güterzügen, sondern nach wie vor mit zum Teil älteren Einzel-Güterwagen, die noch nicht «lärmreduziert» sind.

Frommelt Hans,
Gapont, Triesen

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