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Leserbrief

Auf ein Wort

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 1. August 2020

Art. 40 der Verfassung: «Jedermann hat das Recht, durch Wort und Schrift, Druck oder bildliche Darstellung seine Meinung frei zu äussern und seine Gedanken mitzuteilen.» Wie immer vor Wahlen gerät dieses Grundrecht in Schieflage und wird mit zum Teil grotesken Zügen aus seiner Verankerung gerissen. Befürworter, die sich als alleinige Verfechter der wahren und unantastbaren Wahrheit verstehen, vergreifen sich an Worten wie Bashing, (übermässiger Angriff auf andere) Schüren, Donald-Trump-Methoden, oder outen sich als Mimosen und lassen wissen, sie hätten doch einen so guten und beispielhaft ehrlichen Wahlkampf geführt und fürchten, dass über das Land nun Neid und andere Instinkte in der eigenen Bevölkerung durch Angriffe auf benachbarte Staaten hereinbrächen und fragen: Wollen wir in Liechtenstein diese Art von Politik wirklich? Der Zug um dessen Wahl es hier geht, ist über sich hinausgewachsen und beherrscht die Gemüter. Ein Züglein, das ein paar Kilometer von Feldkirch bis Buchs hin und her pendelt und nur einen verschwindend geringen Teil des Landes tangiert, überhaupt als S-Bahn zu bezeichnen, ist alleine schon hanebüchener Unsinn. Nun, Wahlkämpfe in Liechtenstein werden immer emotional und in gestrenger Ausgrenzung des Themas geführt. So sind wir eben. In jedem Wahlkampf verlässt über kurz oder lang der eigentliche Gegenstand die Bühne und es bilden sich zwei, mitunter gar drei, rotschwarzweisse, in der Erfahrung unversöhnliche Hasslager. Wobei Menschen, die zu ihrer Meinungen stehen, oft bis an ihr Lebensende gemieden und ausgegrenzt werden. Unvergessen noch der zermürbende Kampf um den Fürsten. Da waren Menschen, die sich zur Monarchie bekannten, schnell als Landesverräter gebrandmarkt und sind es bis heute. Unvergessen der Kampf um die staatliche Pensionskasse, bei welchem zwischen Staat und Volk ein tragischer Grenzzaun errichtet wurde, den zwar niemand wollte, aber der die logische Konsequenz war. Düsteres Beispiel Spitalneubau. Visionen für unser Gesundheitssystem, Führung des Spitals, Verbund mit Nachbarspitälern, Herauslösen aus der Politik? Fehlanzeige. Bei ihm blieb an der Urne nur noch die Frage, Beton oder kein Beton. Und auch vor der Wahl zur S-Bahn sind nun alle lästigen Fragen das ketzerische Werk von zukunftsfeindlichen Hinterwäldlern, die kommenden Generationen die Zukunft verbauen. Dass man die Zunahme der Güterzüge mit 64 Prozent als moderat bezeichnet, kennzeichnet jene Art von anständiger Politik, die wir in Liechtenstein so lieben.

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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