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Leserbrief

Globales und über- regionales Denken

Hongyan Kong-Näff, Oberbühl 41, Gamprin | 31. Juli 2020

Ich lebe seit 15 Jahren in Liechtenstein, bin aber in einer Grossstadt im fernen Ausland aufgewachsen und nach einem Studienaufenthalt in Wien schlussendlich in Liechtenstein gelandet. Ich bekomme ab und zu geschäftlich und privat Besuch – unter anderem aus Amerika und Asien. Jedes Mal fragen meine Gäste mich zuerst nach dem Flughafen Liechtenstein. Danach kommt meist die Frage: «Wie komme ich mit dem Zug vom Flughafen nach Liechten-stein?» Und dann wird es kompliziert: Einsteigen am Flughafen, Umsteigen in Zürich, Sargans, Buchs, Schaan. Zum Schluss hole ich meine Gäste dann meist direkt am Flughafen ab. Ein Land ohne eigenen Bahnhof mit Fernverbindungen – für viele unvorstellbar und vergleichbar mit einem schönen Haus ohne Eingang oder eigene Adresse.
Liechtenstein pflegt vielfältige Beziehungen in die ganze Welt. Die Erweiterung der S-Bahn würde auch einen Stop des Railjet in Liechtenstein ermöglichen und verbindet uns damit nicht nur mit Feldkirch und Buchs, sondern im Weiteren auch mit den wichtigsten Wirtschaftszentren unserer Nachbarländer – Zürich und Wien und über die dortigen Flughäfen mit der ganzen Welt. Der direkte Zugang zum internationalen Zugnetz würde es Besuchern und Bewohnern erlauben, mit dem Railjet von Liechtenstein unkompliziert nach ganz Europa zu fahren. Dadurch wird eine wichtige Voraussetzung geschaffen, um Liechtenstein nochmals als attraktiven Wohn- und Arbeitsort zu stärken.
Wien hat seine Infrastruktur inklusive Strassenbahn und U-Bahn-System in den Grundzügen bereits Ende des 19. Jahrhunderts, vorausschauend für einen Zeithorizont von 100 Jahren und eine Einwohnerzahl von zwei Millionen, geplant. Dank dieser Grundlage funktioniert das Verkehrssystem – mit den aktuell 1,9 Millionen Einwohnern – auch heute noch sehr gut.
Wir sollten auch in Liechtenstein langfristig denken und planen. Ohne ein vernünftiges Schienensystem, das massgeblich mehr Fahrgäste als eine vergleichbare Buslinie auf eine komfortable, zuverlässige und schnelle Art befördern kann, wird der Strassenverkehr bereits in naher Zukunft kollabieren. Deshalb möchte ich die Liechtensteiner ermutigen, bereits heute die Chance zu ergreifen und das gesamte Verkehrssystem in Liechtenstein und die Verbindung in die Welt zu verbessern. Insbesondere mit dem Ausbau des Schienenverkehrs könnte Liechtenstein einen wichtigen Schritt in die Zukunft machen.

Hongyan Kong-Näff, Oberbühl 41, Gamprin

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