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Leserbrief

Generationen- übergreifend denken – Lösungen nicht verbauen

Vorstand des Verkehrs-Clubs Liechtenstein (VCL) | 29. Juli 2020

Bei der Diskussion um die S-Bahn müssen wir uns bewusst machen, dass ein Entscheid mit langfristigen Konsequenzen getroffen wird. In den vergangenen 150 Jahren stand der Bau einer Eisenbahn durch ganz Liechtenstein wiederholt zur Diskussion, konnte aber nie realisiert werden. Jetzt stehen wir wieder vor einer solchen Entscheidung: Wollen wir die Möglichkeit offenhalten, in 20 oder 30 Jahren das Oberland mit einer leistungs- und konkurrenzfähigen Bahn zu erschliessen?
Alle Vorschläge, die nicht einseitig auf den Bau neuer Strassen setzen, gehen davon aus, dass es ein möglichst strassenunabhängiges neues Verkehrssystem, einen sogenannten «Mittelverteiler» braucht, um die Passagiere schnell über längere Strecken zu befördern. Ein Mittelverteiler hat nur wenige Haltestellen, die Feinverteilung erfolgt mit Bussen und später einmal mit autonomen Fahrzeugen. Für einen solchen Mittelverteiler kommen grundsätzlich verschiedene Systeme infrage: Trambahn, Pneutram, Hochbahn, Seilbahn. Die Regierung will sich noch nicht festlegen.
Nach gründlicher Systemanalyse ist der VCL überzeugt, dass eine Trambahn die besten Möglichkeiten bietet. Im Lauf von zehn Jahren haben wir zusammen mit Experten die Machbarkeit einer Trambahn erarbeitet. Das Ergebnis: Vom Bahnhof Schaan – Schulzentrum Mühleholz – Spoerry-Areal/Universität und Vaduz Zentrum (via Tunnel) – Vaduz Süd – Triesen Nord – Triesen Zentrum – Balzers Nord – Balzers Gagoz – Trübbach Fährhütten zum Bahnhof Sargans. Das Tram würde zum grössten Teil auf einem eigenen Gleis fahren; an Kreuzungspunkten braucht es zwei Gleise. Auf kurzen Abschnitten wird allerdings die Mitbenutzung der Strasse nötig, da der Raum für eine eigene Trasse nicht mehr vorhanden ist. Da die Gleise der ÖBB und SBB mitbenutzt werden, ergibt sich ein zusammenhängendes S-Bahn-Netz mit den Endpunkten Feldkirch, Buchs und Sargans. Diese ermöglichen optimale Anschlüsse an internationale und regionale Züge der ÖBB und SBB. Die Baukosten werden auf 300 Millionen Franken geschätzt. Das Projekt erfüllt die wesentlichen übergeordneten Anforderungen der Regierung: Das Projekt ist technisch machbar und finanzierbar. Die Haltestellen richten sich nach den Wohn- und Arbeitsbedürfnissen. Eingriffe in Natur und Landschaft werden möglichst klein gehalten – ganz ohne solche Eingriffe kommt leider kein neues Verkehrssystem aus.
Aber: Die vorgeschlagene Regionalbahn baut auf der S-Bahn auf, über die wir jetzt abstimmen werden. Wenn wir diese jetzt ablehnen, verbauen wir uns und unseren Nachkommen die Möglichkeit, später einen leistungsfähigen Mittelverteiler auch für das Oberland zu bauen.

Vorstand des Verkehrs-Clubs Liechtenstein (VCL)

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