Leserbrief

Emotionale versus rationale Entscheidungen

Dr. Norbert Obermayr, Lehrbeauftragter für «Entscheidungen im Management» an einer... | 18. Juli 2020

95 bis 98 Prozent aller unserer Entscheidungen werden emotional getroffen, um dann rational begründet zu werden. Nur 2 bis 5 Prozent werden von vornherein rational entschieden. Die Werbung weiss diese Tatsache schon seit über 100 Jahren für sich zu nutzen. Man braucht sich nur die Werbebilder anzusehen. Das haben auch die Befürworter der S-Bahn erkannt, und darum argumentieren sie fast ausschliesslich emotional, mit Worten wie «zukunftsorientiert», «enkeltauglich», «Geschenk» und anderen Floskeln mehr. Die meisten emotionalen Zuschreibungen – ausgenommen «Geschenk» – treffen auch für die S-Bahn-Gegner zu, ja sogar noch viel stärker, denn diese setzen sich wirklich mit Alternativen auseinander und wollen das Beste für ihre Kinder und Kindeskinder. Die S-Bahn-Befürworter scheuen rationale Argumente wie der Teufel das Weihwasser! Denn da haben sie nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Halbwahrheiten, Suggestionen, Widersprüche in sich, wie (siehe dazu Streitgespräch (7. Juli, Seite 6, «Vaterland)»: «(...) Es sind also nicht nur grobe Ideen gefragt, sondern sehr konkrete. Und die liegen im Grundsatz bereits vor.» Und wenige Zeilen später: «(...) Die Varianten in Schaan sind nicht im S-Bahn-Projekt enthalten, sondern zusätzlich.» Was stimmt also: grob, konkret, nicht enthalten? Letzteres stimmt: eine Lösung fehlt schlicht und einfach, aber es wird ein «fertiges Konzept» suggeriert. Und da wären wir wieder bei der Eingangsfrage. Wenn ein derartiges Kernproblem noch nicht gelöst ist, dann steht die gesamte S-Bahn zur Diskussion. Werte Mitbürgerinnen und Mitbürger. Schauen sie genau hin, was Ihnen konkret «verkauft» wird, und achten sie auf die gelegten emotionalen Fallstricke und Stolpersteine. Niemand kann dann mehr sagen, er/sie habe dies und jenes ja nicht gewusst. Es geht um das «beste Mobilitätskonzept», und das muss erst entwickelt werden. Dazu braucht es jetzt ein Nein zur S-Bahn, um dann effektiv an einem Mobilitätskonzept zu arbeiten. Dazu bin ich bereit, mitzuwirken, und dafür setze ich mich ein.

Dr. Norbert Obermayr, Lehrbeauftragter für «Entscheidungen im Management» an einer Londoner Universität, Auf Berg 44, Mauren

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